FISCHEREI

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Fischzucht in Uri

(Angaben folgen)

Besatz
Bis Ende der 1970er-Jahre wurde versucht, durch ständiges Erhöhen der Anzahl Besatzfische den Ertrag der Fliessgewässer zu steigern. Dem natürlichen Ertragsvermögen der Bäche und dem Fortpflanzungspotenzial der Natur wurde zu wenig Beachtung geschenkt. Statt die Lebensbedingungen für die Fische zu verbessern, wurde eine zusätzliche Nahrungskonkurrenz eingebracht, was teilweise sogar zu einer Ertragsverminderung führte. Unter Berücksichtigung der Gewässerbonität und Förderung der Naturverlaichung wurden seit 1980 die Besatzmengen erheblich reduziert. Der Ertrag konnte trotzdem gesteigert werden. Die Qualität des Besatzmaterials ist von allergrösster Wichtigkeit.
Urner Fischereiverein, Urner Fischerei, S. 131 ff.

    
Ertragsvermögen des Gewässers
Das Ertragsvermögen eines Gewässers ist hauptsächlich abhängig von der Anzahl der Fischunterstände, des Nahrungsangebot, der Struktur und Grösse des Gewässers, des Uferbewuchs sowie der Wasserqualität.
Urner Fischereiverein, Urner Fischerei, S. 130.

    
Fischbestand
Der Fischbestand wird durch Umweltverschmutzungen und vor allem durch die Nutzung der Wasserläufe für die Energieversorgung beeinflusst. Die aus der Wassernutzung resultierenden Wasserstandsschwankungen oder die zu geringen Restwassermengen können dazu führen, dass ein Grossteil des Laiches abstirbt. Künstliche Verbauungen bilden oft unüberwindbare Hindernisse und bewirken, dass die natürliche Laichwanderung der Fische nicht mehr stattfinden kann. Die Berufs- oder Angelfischerei spielt für den Fischbestand in den Urner Gewässern hingegen eine eher untergeordnete Rolle.
In diesen negativen Einflüssen auf den Fischbestand liegt die Legitimation für den Laichfischfang und die fischereiliche Bewirtschaftung. Oberstes Ziel ist dabei die Arterhaltung. Ein Aussterben, gleich welcher Fischart, soll durch Besatzmassnahmen, wenn notwendig auch durch Nutzungsverbote, verhindert werden. Anstrengungen zur Arterhaltung werden im Kanton Uri vor allem für die Seeforelle, aber auch für das Bachneunauge in grossem Stil unternommen. Auch die Artenzusammensetzung wird mit dem Fischbesatz wesentlich beeinflusst.
Im Gegensatz zu früher geht es nicht mehr darum, durch Fang entstandene Defizite auszugleichen. Die Bewirtschaftung soll eine nachhaltige Nutzung des Bestandes ermöglichen (> Ertragsvermögen des Gewässers).
Urner Fischereiverein, Urner Fischerei, S. 130 ff.

    
Fischereiverwaltung
Für den Vollzug der Fischerei ist die Fischereiverwaltung zuständig. Es ist Aufgabe des Kantonalen Fischereiinspektors und seiner nebenamtlichen Aufseher, dafür zu sorgen, dass sich die Gewässer in einem gesunden und in Bezug auf die Fischerei in einem ausgewogenen Zustand befinden.
Urner Fischereiverein, Urner Fischerei, S. 131.

    
Laichfang
Unter Aufsicht des Fischereiinspektors findet der alljährliche Laichfischfang auf See- und Bachforellen statt. Für die im See zu bewirtschaftenden Fischarten kann er auf die Mithilfe der Berufsfischer zählen, die den Laich ihrer im Netz gefangenen Fische der Fischereiverwaltung zur Weiterzucht abliefern müssen.
Urner Fischereiverein, Urner Fischerei, S. 132 f.

    
Schongewässer
Neben den drei Aufzuchtanlagen hat der Kanton verschiedene «Schongewässer» ausgeschieden. In diesen Gewässern ist die Angelfischerei verboten. Sie dienen der Beschaffung von natürlichem Besatzmaterial. In diesen meist kleineren Gewässern wachsen wertvolle und an die harten Bedingungen der Natur angepasste Jungfische heran. Sie sind als Ergänzung zu den Jungfischen aus den Aufzuchtanlagen gedacht, leisten aber auch einen wichtigen Beitrag beim Wiederbesatz allfälliger Schadenstrecken.
Urner Fischereiverein, Urner Fischerei, S. 134.

    

FISCHZUCHTANLAGEN IN URI

(Neuaufbau)

EREIGNISSE IM DETAIL

Montag, 4. Juni 1973
Kantonale Fischbrutanstalt in Flüelen eröffnet

UW 44/1973

Montag, 27. September 2004
Forellen und Saiblinge ausgesetzt
23500 Forellen und Saiblinge schwimmen in die freiheit. Rund ein Dutzend freiwillige Helfer begleiten die Fische in ihr neues Zuhause, die Urner Bergseen. Um den Stress der Fische zu mindern werden sie per Helikopter transportiert.
UW 83, 23.10.2004

Samstag, 2. Oktober 2010
Fischereiverein: Rund 450'000 Fische ausgesetzt
Rund 50 Fischer folgen dem Aufruf zum Hauptbesatztag. Vier Teams sind unterwegs, um die Fische in die Freiheit zu entlassen. Insgesamt können diesen Herbst zirka 450'000 Besatzfische aus eigener Zucht in den Fliessgewässern ausgesetzt werden.
UW 79, 9.10.2010

Dienstag, 11. April 2017
Regierungsrat erteilt Konzession für Fischzucht
Der Regierungsrat erteilt der Basis 57 nachhaltige Wassernutzung AG eine Konzession zur Nutzung des sauberen Bergwassers beim Nordportal des Gotthard-Basistunnels zum Betreiben einer Fischzuchtanlage. Aus den Tunnelrohren des Gotthard-Basistunnels tritt warmes und sauberes Bergwasser von 150 bis 400 Liter pro Sekunde aus. Dies bei einer ganzjährigen Temperatur zwischen 13 und 15 Grad Celsius. Die Basis 57 erhalt die Konzession zur Nutzung von 100 Litern Wasser pro Sekunde. Die Firma plant den Aufbau der zurzeit grössten Fischzuchtanlage der Schweiz mit einer Produktionskapazität von bis zu 600 Tonnen Speisefisch pro Jahr. Neben der eigentlichen Fischzucht beabsichtigt sie zudem, eine eigene Aufzucht von Jungfischen zu betreiben. Neben der Basis 57 erhalten auch die Gemeindewerke Erstfeld (GWE) und die kantonale Fischereiverwaltung eine Konzession zur Nutzung des Bergwassers. Die GWE beanspruchen eine Option auf die Wassermenge von 36 Litern pro Sekunde. Die Option gilt bis am 31. Dezember 2022. Bis dahin können die GWE entscheiden, ob sie die konzessionierte Wassermenge im Rahmen eines Projekts nutzen wollen. Die kantonale Fischereiverwaltung plant, ihre Aufzuchtanlagen respektive Fischgraben an den Standort Erstfeld zu verschieben. Ihr wird eine Option auf 50 Liter Wasser pro Sekunde konzessioniert. Mit dem Betrieb zweier Anlagen auf demselben Areal entstehen verschiedene Synergien für den Betrieb der Fischereiverwaltung und der Basis 57.
UW Nr. 29, 12.4.2017, S. 1 und 3.

Samstag, 25. November 2017
Basis 57 nimmt den Betrieb auf
Die neue Produktionshalle der Basis 57 nachhaltige Wassernutzung AG ist fertig gebaut. In ihr wird ab diesem Winter die grösste Satzfischzucht der Schweiz betrieben. Viermal im Jahr werden dort Zander gestreift und Satzfische produziert. In der neuen Produktionshalle der Urner Satzfischzucht werden zur selben Zeit sämtliche vier Jahreszeiten herrschen. Es werden verschiedene Zander-Elterntiergruppen zu unterschiedlichen Zeiten mit einem speziellen Temperatur-, Licht- und Fütterungsprogramm in den Winter geschickt. Während die einen Tiere die kalte Jahreszeit durchwintern, verspürt die Zandergruppe im benachbarten Wasserbecken Frühling. Die Fischwirte können viermal im Jahr die Tiere streifen und Laich gewinnen – unabhängig von der tatsächlichen Jahreszeit. Nach der Erbrütung des Laichs zieht die Basis 57 die Tiere auf, bis sie mindestens 10 Gramm schwer sind. Dieser Prozess dauert zirka 90 Tage. Danach sind sie robust genug für den Transport und das Einsetzen in Mastbecken. Die Urner Fischzucht wird die Zandersatzfische schweizweit an Zandermäster verkaufen, und sobald die eigene Fischzucht beim Neat-Nordportal gebaut ist, ebenfalls ihre eigenen Becken damit besetzen.
UW Nr. 94, 25.11.2017, S. 7.

 

 

Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 25.1.2015