LEBENSBEREICHE

Allgemeines Alter Arbeit und Wirtschaft Bauen, Wohnen, Haushalt Bildung und Schule Das liebe Geld Digitalisierung Essen und Trinken Familie Gesellschaft und Soziales Mode Gesundheit Jugend Kommunikation, Medien Militär, Landesverteidigung Mobilität und Verkehr Recht und Justiz Religion und Glauben Sicherheit und Ordnung Sport und Freizeit Staat und Politik Straftaten Umwelt Unfälle

Die Urner Münzgeschichte

Münzen aus der Münzstätte Bellinzona

Uri richtete seine Politik und sein Interesse vor allem auch gegen den Süden. Seit 1441 stand die Leventina (Livinen) als Landvogtei wieder im Besitze der Urner. Mit dem Verzicht Frankreichs auf Bellinzona im Jahre 1503 wurden Uri, Schwyz und Unterwalden nun auch wieder die Herren über die Stadt. Die Drei Länder richteten in Bellinzona alsbald eine Münzstätte ein und begannen Münzen zu prägen.



Nach dem damaligen Recht konnte nur der Kaiser selbst oder der Papst das Münzrecht verleihen. Neben dem Wappen der drei Länder zeigt ein Teil der Bellenzer Münzen denn auch die päpstlichen Schlüssel und den Doppeladler des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Vereinzelt ist bei kleineren Münzen die Schlange, das Wappentier von Bellinzona, abgebildet. Möglicherweise verleitete die erfolgreiche Politik der Stärke die drei Länder, sich das Münzrecht selbst zu geben. Dass die drei Länder in Bellinzona eine Münzstätte einrichteten, war nicht nur eine Demonstration ihres Besitzerstolzes, sondern entsprach einem wirtschaftlichen Bedürfnis, nachdem infolge der kriegerischen Ereignisse das Mailänder Geld nicht mehr in genügendem Umfange zur Verfügung stand. Die Münzen von Bellinzona waren für den ennetbirgischen Zahlungsverkehr gedacht und dienten unter anderem auch für die Soldauszahlungen. In den Waldstätten selbst spielten sie jedoch keine grosse Rolle. In Bellinzona wurden Goldkronen und Dukaten, Guldiner, Dicken (Testone), Rössler (Cavallotto), Batzen, Groschen, Kreuzer und kleinere Münzen geprägt. Die Münzbilder zeigen neben den erwähnten Herrschaftssymbolen den Heiligen Martin zu Pferd sowie auf dem Thron. Weiter sind ein sitzender Krieger und das Brustbild des heiligen Petrus auf den Münzen abgebildet.
Die drei Orte waren bemüht, dass die Münzen von anderen Ständen anerkannt wurden. Mit den ehemaligen Münzherren Luzern und Zürich wurde um den Wert der Münzen gefeilscht. Bei der Prägetätigkeit in Bellinzona war nicht immer alles zum Besten bestellt. Die Münzprobe liess oft zu wünschen übrig. Es wurde zudem beanstandet, dass die Münzordnungen nicht eingehalten und zu viele Münzen geschlagen wurden. Den drei Ländern wurde sogar nahe gelegt, sich des Münzens zu enthalten.
Der Münzbetrieb wurde denn auch vorübergehend eingestellt. Zudem kam es zu Differenzen unter den Drei Ländern. Uri und Unterwalden gaben in der Folge eigene Münzen heraus (1506 bis ca. 1529). Schwyz prägte im Alleingang.
Zur Enttäuschung der Drei Länder wollte man ihre Münzen in den von den Eidgenossen gemeinsam verwalteten ennetbirgischen Besitzungen nicht annehmen. Mit der Niederlage von Marignano im September 1515 verlor die Münzstätte von Bellinzona noch mehr an Bedeutung. Die Münzen blieben an der Tagsatzung und an eigens einberufenen Konferenzen ein Thema. 1530 liess schliesslich der Herzog von Mailand alle Bellenzer Münzen verrufen. Die Münzstätte stellte in der Folge ihren Betrieb ein.

Die Münzstätte Bellinzona kannte zwei Münzgemeinschaften: Uri – Schwyz – Unterwalden (Pü 1-21) und Uri – Unterwalden (Pü 22-31). Die drei Stände prägten zudem noch eigene Münzen. Von Uri ist jedoch nur eine Münze bekannt (Doppeldicken 1520, Pü 38).

Münzgemeinschaft Uri / Schwyz / Unterwalden



Der Guldiner (ohne Jahr) der Münzstätte Bellinzona zeigt nebst den drei Wappenschildern der Drei Länder den Doppeladler des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und die päpstlichen Schlüssel.

In der Münzstätte Bellinzona wurden für die Münzgemeinschaften UR / UW / SZ (1503 – ca. 1548) folgende Münzen geprägt:

Goldkronen, Gold, Pü 1
Dukaten, Gold, Pü 2
Guldiner, Silber, Pü 3
Halbguldiner, Silber, Pü 4
Dicken (Testone / Grossone), Silber, Pü 5 - 7
Halbdicken (Mezzo Testone), Silber, Pü 8 - 10
Rössler (Cavallotto), Silber, Pü 11
Batzen (Doppio Grosso), Billon, Pü 12 - 13
Halbbatzen (Grosso), Billon, Pü 14
Groschen, Billon, Pü 15
Kreuzer, Billon, Pü 16
Soldo, Billon, Pü 17
Sesino (Soldino), Billon, Pü 18
Quattrino, Billon, Pü 19
Bissolo (Spagürli), Kupfer, Pü 20
Angster, Kupfer, Pü 21

Münzgemeinschaft Uri / Unterwalden



Der Grossone 1506 (Testone) hält die Uneinigkeit der drei Münzherren fest. Schwyz prägte zeitweise eigene Münzen.

In der Münzstätte Bellinzona wurden für die Münzgemeinschaften UR / UW (1506 – ca. 1529) 10 Münzarten geprägt. In den Münzbildern ist die grösste Änderung das Fehlen des Schwyzer Wappens bei den Wappenschildern. Es wurden folgende Münzen geprägt:

Pistole (nur urkundliche Erwähnung), Gold, Pü 22
Goldkronen, Gold, Pü 23
Grossone, Silber, Pü 24
Halbdicken (Mezzo Testone), Silber, Pü 25
Rössler (Cavallotto), Silber, Pü 26
Batzen (Doppio Grosso), Billon, Pü 27
Halbbatzen (Grosso), Billon, Pü 28
Soldino, Billon, Billon, Pü 29
Quattrino (Trillina), Billon-Kupfer, Pü 30
Bissolo (Spagürli), Kupfer, Pü 31

Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 77 f. Die Signatur «Pü» bezieht sich auf diesen Münzenkatalog.

LISTE DER MÜNZEN

1503-1569
Kronen (Scudo d'oro)
Gold; MB, MA; 25,5 mm; 3,5 g.
> Ansicht
-------------------------
1503-1612
Dukaten, Halbdukaten
Gold, MB, MA; 22 mm; 3,5 g.
> Ansicht
-------------------------
1503-1565
Taler (Guldiner), Halbtaler (Halbguldiner)
Silber; MB, MA; 39-41 mm; 28-29 g; 36-37 mm; 13-14 g (Halbtaler).
> Ansicht
-------------------------
1503-1624
Dicken, Halbdicken (Testone)
Silber; MB, MA; 29-31 mm; 8,5-9,5 g / 26-34 mm; 4-5 g (Halbdicken).
> Ansicht
-------------------------
1503-1548
Rössler (Cavalloto)
Silber; MB; 28-29 mm; 3,5-4 g.
> Ansicht
-------------------------
1503-1624
Batzen, Halbbatzen (Grosso)
Billon; MB, MA; 25.2-28,5 mm; 1,9-3,1 g; 23,2 mm; 1.5 g (Halbbatzen).
> Ansicht
-------------------------
1503-1600
Groschen (Grosso)
Billon; MB, MA; 22 mm; 2 g.
> Ansicht
-------------------------
1503-1605
Kreuzer
Billon; MB, MA; 18-19,5 mm; 1 g.
> Ansicht
-------------------------
1503-1641
Schilling (Soldo)
Billon; MB, MA; 18-21,5 mm; 1-1,5 g.
> Ansicht
-------------------------
1503-1548
Quattrino (Trillina)
Billon-Kupfer; MB; 15 mm; 0,7 g.
> Ansicht
-------------------------
1503-1548
Soldino
Billon; MB; 19 mm; 1g.
> Ansicht
-------------------------
1503-1548
Spagürli (Bissolo, Sesino)
Kupfer; MB; 11,5 mm; 4 g.
> Ansicht
-------------------------
1503-1605
Angster (Hohlpfennig)
Kupfer; MB, MA; 16,5 mm; 0,2-0,3 g.
> Ansicht
-------------------------

VERWENDETE MÜNZENBILDER

Doppeladler > Ansicht
Kreuz > Ansicht
Päpstliche Schlüssel > Ansicht
Pferd > Ansicht
Schlange > Ansicht
Sitzender Krieger > Ansicht
St. Martin > Ansicht
St. Petrus > Ansicht
Wappenschilder UR / SZ / UW > Ansicht
Wappenschilder UR / UW > Ansicht
Zeichen > Ansicht

BEGRIFFE

Die Arbeit in einer Münzstätte > Ansicht
Brakteaten (Münzen) > Ansicht
Münzstempel > Ansicht

EREIGNISSE

Mittwoch, 17. Juni 1503
Münzstätte in Bellinzona findet Erwähnung
Ein Abschied, gegeben zu Altdorf, erwähnt den späteren Namen des Münzmeisters Bernardino Morosini und gibt damit einen ersten Hinweis, dass bereits «der Münze wegen» Aktivitäten vorliegen.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 23 f.
-------------------------
Sonntag, 22. November 1503
Bellenzer Münzen sollen anerkannt werden
König Ludwig XII. oder seine Stellvertreter haben im November 1503 an die Stadt Mailand ein Mandat gerichtet. Gemäss Abschied der Tagsatzung zu Basel hat das Mandat sinngemäss folgenden Inhalt: Der Münze wegen ist zu Mailand ein offener Ruf ergangen, dass man die Dickplaparte, die man gut befunden, sowie alle andern zu Bellenz geschlagenen Münzen, die man gut befinde, nehmen wolle, nur auswärtige Angster wolle man nicht mehr nehmen; zu Bellenz geschlagene Angster jedoch, die noch vorhanden, wolle man gegen gute Münze auswechseln.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 23.
-------------------------
Freitag, 20. Mai 1504
Münztarifierung in Luzern
Anlässlich der Münztarifierung in Luzern werden noch keine «Bellenzer Münzen» aufgeführt; es ist jedoch die Rede von einem «Plaph. mit dem Rösslin» (ohne Angabe des Prägeortes) zu 4 Schilling.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 24.
-------------------------
Sonntag, 11. September 1504
Münzvertrag der vier Waldstätte
Die Münzkonferenz der vier Waldstätte und Zug spricht sich über die Münztarifierung der Bellenzer Münzen aus.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 24.
-------------------------
Samstag, 24. September 1504
Münzvertrag spricht sich zu Bellenzer Münzen aus
Der Münzvertrag der vier Waldstätte einigen sich auf eine gemeinsame Münzordnung. Als eigentliche Währungsmünze dient der rheinische Goldgulden, allerdings mit 45 Schilling (statt 40 Schilling im Jahre 1487) bewertet. Dabei werden die «Bellitzer», mit 4 Schillingen bewertet. Bei diesen «Bellitzer» dürfte es sich um «Rössler» handeln.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 24.
-------------------------
Samstag, 10. Dezember 1504
Münzordnung der fünf Orte solle ausgerufen werden
An der Dreiländertagung in Brunnen wird beschlossen: «Der Münz wegen soll man dem Commissar (von Bellinzona) schreiben, dass er die Münzordnung der fünf Orte ausrufen soll». Offenbar ist bei der Prägetätigkeit in Bellinzona nicht alles zum Besten bestellt.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 26.
-------------------------
Samstag, 2. Dezember 1505
Die Drei Orte verbieten das Schlagen von Münzen
Die in Brunnen versammelten Boten der drei Länder berichten nach Luzern, u.a.: «als in üwer statt... die müntz, so wir zu Bellenz schlachen lassen vor äugen uffgesetzt und probiert, die selbig villicht minder denn vormals erfunden, als wir dann söllichs durch unser botten auch die abgeschrifften der prob bericht sind, heftend (wir) uns nicht versehen die selbig müntz durch unsre müntzmeister geschwechert.» Im Abschied dieser Tagung ist weiter festgehalten: «Dem Commissar zu Bellenz wird geschrieben, er soll dem Münzmeister daselbst bei Leib und Leben gebieten, die Münzen die geschlagen, nicht auszugeben und bis auf fernem Befehl der drei Orte keine mehr zu schlagen.»
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 26.
-------------------------
Donnerstag, 1. Februar 1506
Die drei Orte wenden sich wegen der Münzen an Basel
Die drei Orte tagen wiederum in Altdorf. Sie beschliessen, Basel zu schreiben, «es dünke sie unbillig, dass Basel ihnen die Münze nicht habe ufsetzen und probieren wollen». Ebenfalls wird festgehalten: «Heimbringen, was Giovan Anton, Commissar zu Rufle (Roveredo) der Münze wegen noch mit uns zu handeln begehrt». Es ist dies eine interessante Andeutung, wonach Johann Jakob Trivulzio sich wegen des Münzens mit den drei Ländern in Verbindung setzt. Diebold Schilling schreibt in seiner Chronik, Trivulzio, der schlaue und engagierte Parteigänger des französichen Königs, habe sich den drei Waldstätten anerboten, zum Kaiser überzutreten und mit ihnen in Bellinzona gemeinsam zu münzen. Es scheint jedoch, dass mit Trivulzio keine Münzvereinbarung zustande kommt.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 26.
-------------------------
Freitag, 2. Februar 1506
Bellenzer Münzmeister können nicht nach Brunnen kommen
Die drei Länder schreiben von Brunnen aus nach Luzern «Ihre Münzmeister zu Bellenz haben berichtet, sie können wegen Unwegsamkeit der Strasse und wegen Strenge des Winters nicht zur Verantwortung herauf kommen (über den Gotthard), versichern aber, dass die Münze die sie schlagen, ohne Anstand in des Königs Land in Italien genommen werde». Sie bitten daher Luzern, «einen Ruf zu tun, dass in seinem Gebiete die Bellenzer-Münzen in Wert, in welchem sie geschlagen ist, angenommen werden soll, damit nicht wenn jedermann die Annahme zu beliebigem Wert freisteht, daran Irrung und Nachteil erwachse»
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 26 f.
-------------------------
Freitag, 16. Februar 1506
Mehrere Münzmeister am Werk
Von der Dreiländertagung zu Beckenried wird berichtet, dass der Münzmeister Bernhardin Morosini und der «Probierer» von Bellenz «gegeneinander gehört» sind und Letzterer 1’000 Dukaten «Tröstung» anerboten hat, dass, wenn man fürderhin nicht mehr als einen Münzmeister habe, die Münze gerecht sein werde.
Im Abschied ist ferner erwähnt: «Es wird hierüber ein andrer Tag gesetzt nach Luzern auf Montag nach der alten Fasnacht, da soll man die Rössler und die Batzen probieren lassen».

Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 27.
-------------------------
Sonntag, 4. März 1506
Münzprobe der Bellenzer Münzen
Der Luzerner Abschied gibt über die Münzprobe wie folgt Auskunft: «... und insunders die Rössler, die für 26 Angster gewertet, die hat man abermalen versucht ... Dann die erst prob ist gsin, das 60 ½ uff ein March gangen, die hand an finem silber gehalten 11 lot und 1 quintly und wann jeder 26 angster gulten, hat sich jedem 1 angster Siegschatz zigen, darum su nemen und zegeben weren». Die Batzen halten nicht mehr als 7 Lot und 1 Quintly, sie wurden auf 14 Angster gewertet.
Die zweite Probe von Rösslern, Spagürli und Rollbatzen fällt ebenfalls nicht gut aus. Die Tagung zu Luzern beanstandet daher, die Münzordnung der V Orte werde nicht eingehalten. Den drei Ländern legt man nahe, sich des Münzens zu enthalten. Hierauf wird der Münzbetrieb vorübergehend eingestellt.

Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 27.
-------------------------
Sonntag, 29. Juli 1506
Uri und Unterwalden sollen die Münzprägung einstellen
An der Dreiländer Tagung in Brunnen wird beschlossen, dass Unterwaiden bis auf Weiteres die Münze zu Bellenz still gestellt wissen will. Uri wird eingeladen, dasselbe zu tun und dem «Commissar» die nötigen Befehle zugehen zu lassen. Will Uri das nicht tun, so soll es auf nächsten Montag nach Brunnen berichten. Schwyz ist in diesem Abschied nicht erwähnt. Uri wird mit dem Vorschlag von Unterwalden nicht einverstanden gewesen sein, denn schon im gleichen Jahre wird mindestens eine Münze der beiden Orte Uri und Nidwalden aus der Münzstätte von Bellinzona hervorgehen. Es handelt sich um die erste mit Jahrzahl versehene Münze von Bellinzona, den «Grossone 1506». Dieses Stück wird gelegentlich als Halbtaler oder Lira moceniga bezeichnet. Die Prägung dieser seltenen Münze dürfte der Beginn einer gemeinsamen Münzprägung von Uri und Nidwalden gewesen sein.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 27 f.
-------------------------
Montag, 30. September 1507
Viele Münzen führen zu Preisaufschlag
An der Tagung zu Altdorf wird erwähnt, dass man zu Bellenz zu viel «Bigen» (Beigen von Münzen) schlägt, weshalb ein Aufschlag der Preise (Inflation) zu befürchten ist. Die Boten sollen heimbringen, ob dagegen etwas getan werden soll.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 27.
-------------------------
Samstag, 31. Oktober 1508
Boten aus Mailand an der Tagsatzung von Beckenried
An der Tagsatzung zu Beckenried verlangen zwei Boten aus Mailand, dass die drei Orte zu Bellenz nur eine Münze schlagen, oder dass die Münze zu Bellenz auf einige Zeit, es sei ein Jahr, ein halbes Jahr, minder oder mehr, still gestellt werde. In diesem Fall wollen sie jedem Ort jährlich 100 Gulden geben. Ferner ist im gleichen Abschied erwähnt, wird über das vielfältige Ungemach gesprochen, was aus einer Zweiung der Münze erwächst, und wie man eine Einigung diesfalls erzielt werden kann.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 27.
-------------------------
Montag, 26. Juli 1509
Uri und Unterwaldner Münzen werden von Mailand anerkannt
Vom «Chiarissimo Re nostro Signore et Duca de Mediolano», von König Ludwig XII. als Herzog von Mailand, ein Aufruf, die in Bellinzona von Uri und Nidwalden geprägten Münzen anzunehmen. Allerdings ist daran die Bedingung geknüpft, dass die Münzen in Bezug auf Zustand, Gewicht und Legierung jenen der Mailänder entsprechen, und dass sich in Bellinzona ein königlicher Aufseher und «Probierer» aufhalten soll.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 29.
-------------------------
Mittwoch, 29. Juni 1510
Aufruf des Herzogs von Mailand zur Münzanerkennung
Von Ludwig XII. erfolgt ein ähnlicher Aufruf zur Münzanerkennung. Darin werden die Münzen von Uri und Nidwalden wie folgt spezifiziert:
— Ducati d'oro da libre 4 soldi 13
— Dopioni d'oro da libre 9 soldi 6
— Grossoni da libre 1 soldi — den. 9
— Dinari da soldi 6
— Dinari da soldi 3
— Soldini da dinari 12.

Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 29.
-------------------------
Dienstag, 22. Oktober 1512
Neuer Münzmeister in Bellinzona
Gemäss Vertrag mit dem «Ersamen, wisen landammann Rad und Gemeind von Swittz» ist Andreas Neuroni als Münzmeister von Bellinzona verpflichtet worden. Der Vertrag wird samt den zwei Orten Uri und Unterwalden abgeschlossen. Neuroni ist somit ermächtigt, nicht nur Münzen von Schwyz allein, sondern auch Gemeinschaftsmünzen von Uri und Nidwalden, aber auch von allen drei Orten zu prägen. Nach den Münzbildern zu schliessen, ist dabei der gleiche Stempelschneider am Werk.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 29.
-------------------------
Freitag, 14. März 1513
Herzog von Mailand beklagt sich über die Bellenzermünzen
Im Bericht der Tagsatzung von Luzern ist zu lesen, dass, da sich der Herzog von Mailand über die Bellenzermünzen beklagt hat, so Bern antworten soll, wie man diese und andere abstellen wolle.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 31.
-------------------------
Freitag, 28. März 1513
Keine Bellenzer Münzen in den enntbirgischen Vogteien
Zur Enttäuschung der drei Länder will man ihre Münzen in den von den Eidgenossen gemeinsam verwalteten ennetbirgischen Besitzungen nicht annehmen. An der Tagsatzung von Locarno wird denen von Lauis (Lugano) und Luggarus (Locarno) und der ganzen Landschaft unter gleichem Vorbehalt gestattet, die Münze zu geben und zu nehmen, wie sie zu Mailand Kurs hat, da sie zu dem deutschen Kurs zu viel Verlust erleiden würden. Der Kurs beträgt 3 Kreuzer auf jeden Gulden.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 31.
-------------------------
Mittwoch, 9. April 1513
Herzog Maximilian empfiehlt die Bellenzer Münzen erneut zur Annahme
Herzog Maximilian zeigte sich den drei Waldstätten für ihre Hilfe bei der Einsetzung erkenntlich. Obwohl die früheren Erfahrungen nicht als gute Referenz dienen, empfiehlt er dem Herzogtum mit Erlass die in Bellinzona geprägten Dreiländermünzen zur Annahme.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 30.
-------------------------
Mittwoch, 3. Dezember 1513
Schwierigkeiten im Münzwesen
Die Schwierigkeiten im Münzwesen stellen sich rasch ein und kommen an der Konferenz der drei Stände mit dem Herzog von Mailand zur Sprache.
Im Abschied wird die damalige Lage wie folgt illustriert: Da die ausländischen Dickplaparte, ausgenommen die im betreffenden Abschied genannten, in der Eidgenossenschaft verrufen sind, so haben wir den Herzog ersucht, bei Bezahlung der vierten Soldrata keine bei uns nicht gängigen Münzen zu verwenden. Dieser aber hat bemerkt, die Landschaft sei arm an guter Münze, er selbst habe noch keine schlagen können, er müsse die Zahlung an den Zollstätten zusammensammeln. Er habe den drei Ländern bewilligt in Bellenz eine Münze zu schlagen, welche im Herzogtum Kurs haben soll, diese anzunehmen werden sich hoffentlich die Eidgenossen nicht weigern. Wenn übrigens die drei Länder auf dieses Münzrecht verzichten wollen, so wäre er erbötig, ihnen jährlich aus seiner Schatzkammer so viel zu geben, als die Münze in Bellenz ihnen eintrüge, denn gerade diese Münze trage zur Verwirrung und schlechten Währung im Mailändischen wesentlich bei.

Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 30 f.
-------------------------
Freitag, 9. Januar 1514
Schwierigkeiten im Zahlungsverkehr mit Mailand
Die Tagsatzung in Zürich befasst sich mit dem Münzwesen. Man macht den Vorbehalt, dass die «Bellenzer Münzen» vom Mailänder Herzog Maximilian dann angenommen werden können, wenn sie auch im Herzogtum Mailand Kurs erhalten. Damit sind die Schwierigkeiten im Zahlungsverkehr mit Mailand jedoch noch nicht endgültig behoben.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 31.
-------------------------
Mittwoch, 4. Februar 1514
Herzog Maximilian empfiehlt die Bellenzer Münzen
Herzog Maximilian von Mailand empfiehlt die Bellenzer Münzen dem Herzogtum mit erneutem Erlass zur Annahme.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 30.
-------------------------
Sonntag, 8. Februar 1514
Erlaubnis für eine Münzstätte in Lugano
Die Tagung in Lugano erteilt der Stadt «Lauis» die Bewilligung, gegen einen Schlagschatz von 200 Gulden p.a. eine eigene Münzstätte zu errichten. Lugano wird jedoch keine Münzen prägen. Wenn in den Abrechnungen über die Landsteuer «Lauiser-Pfund» zu 10 Kreuzern erwähnt werden, so kann es sich lediglich um Rechnungsgeld handeln.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 31.
-------------------------
Mittwoch, 25. März 1514
Herzog Maximilian empfiehlt die Bellenzer Münzen
Herzog Maximilian von Mailand empfiehlt die Bellenzer Münzen dem Herzogtum mit erneutem Erlass zur Annahme.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 30.
-------------------------
Sonntag, 7. Februar 1515
Der Mailänder Bote an der Tagsatzung
Von der Tagsatzung zu Zürich wird Bericht erstattet, dass Galeazzi Sforza, der mailändische Bote, anbringt, es sollen wieder 50’000 Gulden an Münze nach Luzern gefertigt werden. Er bittet, darunter auch Bellenzer Münzen anzunehmen. Wenn diese ausgeschlossen werden sollten, könne der Herzog nicht zahlen. Darüber berichten die drei Orte, dass in der Stadt Mailand an 4 Orten Berner, St. Galler und andere Plapparte geschlagen wurden, die alle falsch seien.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 31.
-------------------------
Sonntag, 3. April 1527
Mailand setzt Wert der Bellenzer Münzen hinab
Die Dreiländer Tagung zu Einsiedeln vom befasst sich mit einem Brief vom «Comissar zu Bellenz», wonach in Mailand wiederum einige Münzen, u.a. auch die «neuen zu Bellenz geschlagenen» (Dicken), herabgesetzt worden seien.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 32.
-------------------------
Dienstag, 26. April 1527
Münzprobe in Luzern
Gemäss Münzprobe der Tagsatzung zu Luzern werden die Dickplapparte von Bellinzona mit 9 Schilling und 4 Haller bewertet.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 32.
-------------------------
Sonntag, 24. Juli 1527
Kompromiss bei Münzbewertung
An der Tagsatzung zu Luzern meinen «etliche» Boten, die Bellenzer dicken Plapparte sollten für gut gelten, wie sie geschlagen sind, nämlich 10 Schilling, 8 Haller. Im Sinne eines Kompromisses tarifiert die gleiche Tagsatzung den Dicken mit 10 Schilling.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 32.
-------------------------
Sonntag, 14. August 1527
Feilschen um den Münzwert
An der Münzkonferenz zu Luzern wird wieder gefeilscht. Die Boten der drei Waldstätte sind mit der ersten Tarifierung der Rössler nicht zufrieden. Hierauf erklärt sich Luzern bereit, die neuen und alten Rössler von Bellenz mit 3 ½ Schilling zu bewerten und die Dickplapparte zu 10 Schilling — gemäss Einverständnis der drei Länder — passieren zu lassen, jedoch mit der Bedingung, dass sie den Münzmeister anhalten sollen, künftig solche nicht mehr zu machen, sondern bessere zu schlagen, da der Gewinn ein gar grosser sei.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 32 f.
-------------------------
Dienstag, 24. April 1528
Erneute Münzprobe
Die Tagung vom in Luzern befasst sich wieder mit dem Münzwesen. In Gegenwart der Boten von Uri, Schwyz und Nidwalden werden Zweibatzenstücke (wohl Halbdicken) und Rössler von Bellinzona probiert. Die Zweibatzen halten an feinem Silber im Durchschnitt knapp 8 Lot; es gehen 44 bzw. 44 ½ Stück auf die Mark. Die Rössler halten im Schnitt gut 772 Lot an feinem Silber. Diese Münzen scheinen nicht beanstandet worden zu sein.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 33.
-------------------------
Donnerstag, 30. Januar 1530
Herzog von Mailand lässt Bellenzer Münzen verrufen
Der Herzog von Mailand, Francesco II. Sforza, lässt alle Münzen von Bellinzona verrufen.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 33.
-------------------------
Mittwoch, 1. Juni 1532
Sollen die V Orte selber münzen
Die Tagsatzung zu Luzern stellt sich die Frage, ob nicht die V innerschweizerischen Orte gemeinsam münzen sollen. Die Münzstätte von Bellinzona ist wohl im Jahre 1529 stillgelegt worden.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 33.
-------------------------
Freitag, 16. Januar 1542
Meldung über Münzproduktion in Bellinzona
Die Tagsatzung zu Rapperswil befasst sich auch mit der Meldung: dass jenseits des Gotthards verschiedene neue Münzen geschlagen wurden, die zu leicht sind sowie falsche Basler Vierer und Rappen. Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 33.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 33.
-------------------------
Freitag, 27. Februar 1548
Mühnzstätte Bellinzona wird endgültig geschlossen
Der Commissar von Bellinzona schreibt den in Brunnen versammelten Boten der drei Länder, dass die neue Münze nicht gleich gegeben und genommen werde. Er habe deshalb einige Massregeln getroffen. Unklar ist, wer der Herausgeber der Münzen ist. Spätestens in diesem Jahr wird die Münzstätte von Bellinzona geschlossen.
Püntener August, Urner Münz- und Geldgeschichte, in: HNBl UR 1979/1980, S. 33 f.
-------------------------
Freitag, 20. Mai 1622
Rüge von Ungereimheiten beim Münzwechsel
Luzern beschwert sich, dass Uri und Schwyz den Landleuten das Geld zu höherem Preis gegeben werde, als dass es in diesen Orten taxiert sei. Besonders wird gerügt, dass der Wirt zum Adler in Altdorf einem Kurier beim Wechseln eines spanischen "Dopplen" den Reichtstaler auf 4 Gulden hinaufgetrieben habe.
Gisler Friedrich, Urner Geschichtskalender, Band 1, S. 24.
-------------------------
Freitag, 19. August 1994
Gedenkmünze aus der Serie "Landschaften und Sagen"
Die Eidg. Finanzdirektion stellt in Göschenen die erste Gedenkmünze aus der Serie "Landschaften und Sagen" vor.
UW 66/1994.
-------------------------
Donnerstag, 4. September 1997
Offizieller Jubiläumstaler zum 750jährigen Bestehen von Schattdorf
Die Gemeinde Schattdorf wird im nächsten Jahr 750jährig. Im Hinblick auf dieses Jubiläum hat der Gemeinderat beschlossen, einen offiziellen Erinnerungstaler herauszugeben. Gemeindepräsident Ruedi Müller nimmt die Erstprägung vor.
UW 70/6.9.1997
-------------------------
Sonntag, 3. März 2013
Abstimmung - Uri sagt deutlich Ja zur Abzocker-Initiative
Zweimal Ja und einmal Nein. So lautet das Abstimmungsresultat im Kanton Uri. Während der neue Familienartikel in Uri keine Chance hat, finden das revidierte Raumplanungsgesetz und die Abzocker-Initiative in Uri eine Mehrheit. 64,3 Prozent der Urnerinnen und Urner heissen die Abzocker-Initiative gut. 6881 Personen sagen Ja zur Initiative, 3825 Personen lehnen sie ab. Keine einzige Urner Gemeinde stellt sich gegen das Volksbegehren des Schaffhauser Ständerates Thomas Minder. Mit seiner Zustimmung folgt der Kanton Uri dem nationalen Trend. Keine Chance hatte in Uri der neue Verfassungsartikel zur Familienpolitik. 68,2 Prozent der Stimmenden legen ein Nein in Urne. Einzig die Auslandsschweizer stimmen der Vorlage deutlich zu. Sämtliche Urner Gemeinden lehnen den Verfassungsartikel hingegen deutlich ab Ja sagt Uri hingegen zum revidierten Raumplanungsgesetz. 55,9 Prozent der Stimmenden heisst die Vorlage an der Urne gut. Allerdings lehnen neun Gemeinden – vor allem die kleineren Ortschaften – die Revision ab: Bauen, Göschenen, Gurtnellen, Hospental, Isenthal, Realp, Spiringen, Unterschächen und Wassen. Ganz deutlich Ja sagt hingegen der Hauptort Altdorf mit einem Jastimmen-Anteil von 63,3 Prozent.
UW 17, 6.3.2013
-------------------------
Mittwoch, 19. Juni 2013
Gotthardpost auf Goldmünze verewigt
Die Eidgenössische Münzstätte Swissmint hat das Gemälde "Gotthardpost" von Rudolf Koller auf eine Goldmünze prägen lassen. Die Sondermünze ist in einer maximalen Auflage von 600 Stück für 580 Franken erhältlich.
UW 48, 22.6.2013
-------------------------

 
URNER MÜNZGESCHICHTE

Übersicht

Das Gold der Kelten
Römische Fundmünzen
Keine Münzen der Alemannen

Uri im Münzkreis Zürich
Die Münzstätte in Bellinzona
Die Münzstätte Altdorf
Urner Goldmünzen 1701-1736
Helvetische Münzen
Die Urner Münzen von 1811
Die eidgenössischen Münzen
Urner Banknoten

Urner Münzen
Urner Münzbilder

Gedenkmünzen
Schützemtaler

ÖFFENTLICHE FINANZEN

Öffentliches Finanzwesen
Staatsfinanzen
Steuern
Zölle

PRIVATES FINANZWESEN

Banken in Uri
Urner Altgülten

Hypothekarwesen

 

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 12.01.2024