Die Kelten kommen nach Uri
800 v. Chr. - 15 v. Chr.
Zwischen etwa 800 und 15 v. Chr. prägten die Kelten weite Teile Mitteleuropas. Auch das Gebiet der heutigen Schweiz gehörte zu ihrem Siedlungsraum. Besonders im Mittelland lebten keltische Stämme, von denen die Helvetier die bekanntesten waren. Sie verfügten über eine hoch entwickelte Landwirtschaft, beherrschten die Eisenverarbeitung, handelten über weite Entfernungen und schufen eine eigenständige Kunst. Eine gemeinsame Sprache, religiöse Vorstellungen und weitreichende Handelsbeziehungen verbanden die verschiedenen keltischen Stämme, auch wenn sie keinen einheitlichen Staat bildeten.
Uri lag am Rand des eigentlichen keltischen Siedlungsgebietes. Im Gegensatz zum Mittelland waren die Täler der Innerschweiz deutlich dünner besiedelt. Dennoch führte das Reusstal bereits in der Eisenzeit als natürlicher Verkehrsraum von den Seen in Richtung Alpen. Zwar war der Gotthardpass wegen der unpassierbaren Schöllenenschlucht noch keine bedeutende Transitroute, doch dürften Jäger, Hirten, Händler und kleinere Gruppen die Alpenübergänge bereits gekannt und gelegentlich benutzt haben. Uri bildete damit eine Grenz- und Übergangslandschaft zwischen dem keltischen Mittelland und dem hochalpinen Raum.
Der bedeutendste Nachweis keltischer Kultur in Uri ist der Goldschatz von Erstfeld. Er wurde am 20. August 1962 bei Bauarbeiten oberhalb von Erstfeld entdeckt und zählt heute zu den bedeutendsten Funden der europäischen Latènezeit. Der Schatz besteht aus vier kunstvoll verzierten Halsringen (Torques) und drei Armringen, die aus bis zu 95 Prozent reinem Gold gefertigt wurden und zusammen rund 640 Gramm wiegen. Die Ringe sind hohl gearbeitet und mit aussergewöhnlich feinen Darstellungen von Vögeln, Schlangen, Pflanzen sowie Mischwesen aus Mensch und Tier geschmückt. Sie gelten als Meisterwerke der keltischen Goldschmiedekunst und befinden sich heute im Schweizerischen Landesmuseum in Zürich, während im Historischen Museum Uri hochwertige Kopien ausgestellt sind.
Die Goldringe stammen aus der Zeit um 390 bis 300 v. Chr. und weisen keinerlei Gebrauchsspuren auf. Deshalb gehen Archäologen heute davon aus, dass sie nicht als persönlicher Schmuck getragen wurden. Vielmehr handelt es sich wahrscheinlich – angesichts des im Tale drohenden Bristenstocks – um eine Weihegabe. Vermutlich wurden die wertvollen Goldringe bewusst zwischen Felsblöcken niedergelegt, um göttlichen Schutz für eine bevorstehende Alpenüberquerung oder eine gefährliche Reise zu erbitten. Möglicherweise galt das mächtige Gotthardmassiv den Kelten als heiliger Ort und als Sitz übernatürlicher Mächte.
Neben dem Goldschatz sind aus Uri nur wenige weitere Funde aus der Keltenzeit bekannt. Dazu gehören eisenzeitliche Werkzeuge und einzelne Fundstücke aus Altdorf sowie verschiedene Siedlungs- und Grabungsspuren. Das Reusstal war weniger ein dicht bewohnter Lebensraum als vielmehr eine Landschaft, die den Zugang in die Alpen ermöglichte.
Mit der Eroberung des Mittellandes durch die Römer im Jahr 15 v. Chr. endete die keltische Epoche in der Schweiz. Die keltische Bevölkerung verschwand jedoch nicht schlagartig. Viele Menschen lebten unter römischer Herrschaft weiter, übernahmen nach und nach die römische Lebensweise und verschmolzen mit der neuen Kultur.
Literatur:
Literatur: Rolf Gisler-Jauch; generiert durch ChatGPT.
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BEGRIFFE DER KELTENZEIT
Latènezeit
Die Epoche von 400 - 30 v. Chr. wird nach dem Fundort am Neuenburgersee als Latenezeit bezeichnet. Ihre Träger waren die Kelten.
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FUNDGEGENSTÄNDE DER KELTENZEIT
Goldringe von Erstfeld
Material:
Metall (Gold)
Beschrieb:
Am 20. August 1962 wurde bei Baggerarbeiten im untersten Teil des Lochertales in Erstfeld ein grosser Goldschatz entdeckt. Unter einem mächtigen Stein versteckt lagen vier Halsringe (sogenannte Torques), ein schwerer Armring und zwei leichtere Ringe, welche wohl als Knöchelschmuck dienten. Die Schmuckstücke stammen aus der späten Eisenzeit und werden in die Zeit zwischen dem 4. und 3. Jahrhundert v. Chr. datiert. Sie stellen den bedeutendsten frühkeltischen Goldfund im Alpenraum dar.
Der Herstellungsort ist unbekannt. Die Halsringe zeichnen sich durch ihre aussergewöhnliche handwerkliche Qualität aus. Sie sind mit mythologischen und pflanzlichen Motiven reich verziert und zeigen die hohe Kunstfertigkeit der keltischen Goldschmiede. Solche Torques waren weit mehr als Schmuckstücke: Sie galten als Zeichen von Macht, Reichtum und gesellschaftlichem Rang und wurden vermutlich von Angehörigen der keltischen Elite getragen.
Die Umstände der Niederlegung geben bis heute Rätsel auf. Da die Goldringe bewusst zusammen an einem abgelegenen Ort deponiert wurden und keine Hinweise auf eine Siedlung oder ein Grab vorliegen, vermuten Fachleute, dass es sich um eine kultische Opfergabe handelte. Möglicherweise wurde der Schatz an einer wichtigen Alpenroute niedergelegt, um Schutz und Beistand der Götter für die Überquerung der Berge zu erbitten.
Der Goldschatz von Erstfeld belegt eindrücklich, dass die Alpen bereits in vorgeschichtlicher Zeit ein bedeutender Verkehrs- und Handelsraum waren. Heute wird der Fund als herausragendes Meisterwerk der keltischen Goldschmiedekunst betrachtet und gehört zu den wertvollsten archäologischen Zeugnissen der Schweiz. Die Originale werden im Schweizerischen Landesmuseum in Zürich aufbewahrt und sind ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Erbes des Kantons Uri.
Fundort:
Erstfeld; Lochertal
Standort:
Landesmuseum, Zürich; Historisches Museum Uri, Altdorf (Kopien)
Literatur:
Literatur: Stadler-Planzer Hans, Geschichte von Uri, Bd. 1, S. 19 ff.
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FUNDORTE DER KELTENZEIT
Erstfeld, Lochertal
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LITERATUR ZUR URNER FRÜHGESCHICHTE
Auf der Maur Christian , Diaz Tabernero José und Meier Mohamed Gabi; Archäologische Spuren einer Kulturlandschaft. Zur Nutzung und Begehung des Urserntals bei Hospental seit dem Mittelalter; in: HNBl Uri 2013, Altdorf 2014.
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Auf der Maur Christian und Cornelissen Marcel unter Mitarbeit von Brönnimann David; Die spätmesolithische und bronzezeitliche Fundstelle Hospental-Moos. Ein Einblick in das urgeschichtliche Urserntal; in: HNBl Uri 2013, Altdorf 2014.
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Bieri Anette; Eine karolingische Kreuzfibel aus Schattdorf - ein überraschender Neufund; in: HNBl Uri 2013, Altdorf 2014.
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Haas Jean Nicolas, Wahlmüller Notburga, Vaccaro Christina, Dietre Benjamin und Hajdas Irka; 7000 Jahre Vegetationsgeschichte des Urserntals anhand palynologischer und grossrestanalytischer Untersuchungen an den Torfsedimenten aus der Flur Moos zwischen An
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Primas Margarita, Della Casa Philippe, Schmid-Sikimic Biljana; Archäologie zwischen Vierwaldstättersee und Gotthard. Siedlungen und Funde der ur- und frühgeschichtlichen Epochen; Bonn 1992.
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Renner-Aschwanden Felix; Landschafts- und Waldgeschichte des Urserntals; in: HNBl Uri 2013, Altdorf 2014.
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Sauter Marion; Wüstungsforschung im Kanton Uri: Brunni- und Schächental, Haldi und Surenenpass; Altdorf 2009.
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Sauter Marion; Wüstungsforschung im Kanton Uri: Urnerboden - Zingel; Altdorf 2011.
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Sauter Marion; Wüstungsforschung im Kanton Uri: Ursern; Altdorf 2010.
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Winet Ines, Diaz Tabernero José und Deschler-Erb Eckhard; Römer in Ursern - die römischen Prospektionsfunde aus Hospental; in: HNBl Uri 2013, Altdorf 2014.
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ARCHÄOLOGIE

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