URNER WIRTSCHAFT

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URNER FIRMEN

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Fischzucht in Uri

Fischzuchtanlagen zum Besatz in Seen und Flüssen Bereits zwei Jahre nach seiner Gründung im Jahr 1900 errichtete der Fischerverein Uri 1902 am Schützenbrunnen in Silenen eine eigene Fischzuchtanlage. Zunächst bestand sie lediglich aus einem Bruthaus. Schon 1903 konnten aus der neuen Anlage 145'000 Forellenbrütlinge in Urner Gewässer eingesetzt werden. Damit begann die systematische Aufzucht von Besatzfischen durch den Fischereiverein.

1916 richtete der Urner Fischereiverein im «Alpenrösli» in Erstfeld eine Seefischzuchtanlage ein. Im selben Jahr wurden 860’000 Balchenbrütlinge in den Urnersee eingesetzt; zudem erfolgte erstmals ein Fischbesatz im Seewlisee und im Obersee bei Erstfeld. Diese frühe Fischzucht diente der Unterstützung der Fischbestände in natürlichen Gewässern. 1921 wurde die Seefischzuchtanlage nach Flüelen verlegt. Nach mehreren Standortwechseln gelangte die Anlage 1951 an die Kreuzmatt.1972 übernahm der Kanton die Seefischzucht. Seither liegt der eigentliche Betrieb der kantonalen Fischzucht und der Besatzmassnahmen weitgehend bei der Fischereiverwaltung, während Mitglieder des Urner Fischereivereins weiterhin wichtige praktische Arbeiten übernehmen.

Die Anlage in Silenen wurde im Laufe der Zeit mehrfach erweitert und modernisiert. 1936 kamen sogenannte Sömmerlingsgräben hinzu, in denen die jungen Fische nach der ersten Aufzucht weiter heranwachsen konnten. 1986 erfolgte ein grösserer Umbau: Ein neues Bruthaus wurde errichtet und die Aufzuchtbecken wurden vollständig neu in Beton ausgeführt. 1999 erneuerte man zudem die Wasserfassung und die Zuleitung. Nachdem das alte Bruthaus 2004 durch einen Brand vollständig zerstört worden war, wurde es innerhalb kurzer Zeit wieder aufgebaut.
Die Fischzuchtanlage Silenen befindet sich bis heute im Besitz des Urner Fischereivereins, wird jedoch unter kantonaler Aufsicht betrieben. Sie dient hauptsächlich der Aufzucht von Besatzfischen für die Urner Fliessgewässer und Bergseen. Daneben können dort Seeforellen aus der Fischzuchtanlage Flüelen vorübergehend gehalten werden. Einen wichtigen Schritt stellte das 2002 begonnene Bachforellenprojekt dar: Der UFV begann, den Bachforellenbesatz mit eigenen Muttertieren zu erzeugen. Damit sollte die Nachzucht stärker auf die örtlichen Fischbestände abgestützt werden.
Die Fischzuchtanlagen dienen nicht der Produktion von Speisefischen, sondern der Bewirtschaftung der Urner Gewässer. Je nach Fischart werden Eier ausgebrütet und Jungfische bis zu unterschiedlichen Entwicklungsstadien aufgezogen. Anschliessend gelangen sie als Besatz in Fliessgewässer, Bergseen und in den Urnersee.

Speisefischzucht mit Zander und Lachs

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2007 begann mit der Gründung der Unternehmung Basis 57 eine nachhaltige Wassernutzung. Ausgangspunkt war der Bau des Gotthard-Basistunnels: Das aus dem Berg abgeleitete Wasser bot die Möglichkeit, eine neue Lebensmittelproduktion in Erstfeld aufzubauen. Nachdem verschiedene Nutzungen geprüft worden waren, entschieden sich die Initianten für die Zucht von Speisefischen. Das am Nordportal austretende Bergwasser weist Temperaturen von ungefähr 14 bis 16 Grad auf und sollte als Wasser- und Wärmequelle dienen. Aus einem Verkehrsprojekt entstand damit die Grundlage für einen zusätzlichen Wirtschaftszweig in Uri.
Der Aufbau erforderte zunächst mehrjährige Forschungs- und Entwicklungsarbeiten. Zwischen Dezember 2014 und März 2017 untersuchte Basis 57 gemeinsam mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften die Aufzucht von Trüschen und Zandern im temperierten Bergwasser. In Versuchsanlagen wurden unter anderem Haltungstemperaturen, Besatzdichten und die Gestaltung der Fischbecken geprüft. Ziel war es, verlässliche Grundlagen für eine gewerbliche Produktion zu schaffen. Der Zander rückte anschliessend ins Zentrum des Vorhabens.
Für die ersten Anlagen nutzte Basis 57 das Gelände der ehemaligen Abwasserreinigungsanlage Erstfeld. Im Herbst 2017 wurde dort eine neue Halle für die Satzfischzucht in Betrieb genommen. Sie ermöglichte die Aufzucht von Jungfischen für den eigenen Bedarf und für andere Fischzuchtbetriebe. Die 2017 erteilte Konzession erlaubte die Nutzung von 100 Litern sauberem Bergwasser pro Sekunde. Im Dezember 2018 folgte die rechtskräftige Baubewilligung für die grössere Produktionsanlage westlich des NEAT-Nordportals; im Herbst 2019 begannen die Bauarbeiten.
Anfang 2022 erreichte das Projekt mit dem Beginn der regulären Produktion und des Verkaufs einen wichtigen Meilenstein. Die unter der Marke «Gotthard-Zander» vermarkteten Fische wurden in Erstfeld aufgezogen und verarbeitet. Für die neue Anlage waren rund zwölf Millionen Franken investiert worden. Die erste Ausbaustufe war auf eine Jahresproduktion von etwa 180 Tonnen Zander ausgelegt. Dabei handelte es sich um eine angestrebte Produktionsmenge. Trotz der technischen Ausstattung blieb viel Handarbeit notwendig, beispielsweise beim Filetieren der unterschiedlich grossen Fische.
Technisch beruht die Anlage auf einer Kreislaufhaltung. Das Wasser wird mehrfach verwendet, gefiltert und aufbereitet, bevor ein Teil wieder in die Reuss gelangt. Dadurch lässt sich der Frischwasserbedarf gegenüber einer reinen Durchflussanlage begrenzen. Der Kanton Uri unterstützte das Vorhaben im Rahmen der Neuen Regionalpolitik, um zusätzliche Wertschöpfung und Arbeitsplätze zu schaffen.
Die wirtschaftliche Entwicklung verlief allerdings schwieriger als erhofft. Basis 57 geriet in finanzielle Schwierigkeiten und schliesslich in ein Nachlassverfahren. Im Juli 2024 übernahm Swiss Lachs den Betrieb in Erstfeld. Das Unternehmen kündigte an, die Zanderzucht weiterzuführen, solange dies wirtschaftlich sinnvoll sei, und freie Kapazitäten für den Ausbau der Lachszucht zu nutzen. Die Übernahme bedeutete damit eine Fortsetzung des Standorts unter einer neuen Trägerschaft und zugleich eine mögliche Veränderung seiner Produktionsausrichtung.

Nach dem im August 2026 wird die Anlage von der Swiss Lachs Gottardo AG betrieben. Swiss Lachs führt heute auch einen Verkaufsladen an der Gotthardstrasse in Erstfeld.

Quellen / Literatur: https://www.ufv.ch (Fischereiverein Uri); Umnutzung der ehemaligen ARA Erstfeld zur Fischzucht: Das Basis 57 Projekt (https://vsa.ch); www.urikon.ch (mit Unterstützung von ChatGPT); Zeichnung ChatGPT.

FISCHZUCHTEN IM DETAIL

Besatz
Bis Ende der 1970er-Jahre wurde versucht, durch ständiges Erhöhen der Anzahl Besatzfische den Ertrag der Fliessgewässer zu steigern. Dem natürlichen Ertragsvermögen der Bäche und dem Fortpflanzungspotenzial der Natur wurde zu wenig Beachtung geschenkt. Statt die Lebensbedingungen für die Fische zu verbessern, wurde eine zusätzliche Nahrungskonkurrenz eingebracht, was teilweise sogar zu einer Ertragsverminderung führte. Unter Berücksichtigung der Gewässerbonität und Förderung der Naturverlaichung wurden seit 1980 die Besatzmengen erheblich reduziert. Der Ertrag konnte trotzdem gesteigert werden. Die Qualität des Besatzmaterials ist von allergrösster Wichtigkeit.
Urner Fischereiverein, Urner Fischerei, S. 131 ff.

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Ertragsvermögen des Gewässers
Das Ertragsvermögen eines Gewässers ist hauptsächlich abhängig von der Anzahl der Fischunterstände, des Nahrungsangebot, der Struktur und Grösse des Gewässers, des Uferbewuchs sowie der Wasserqualität.
Urner Fischereiverein, Urner Fischerei, S. 130.

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Fischbestand
Der Fischbestand wird durch Umweltverschmutzungen und vor allem durch die Nutzung der Wasserläufe für die Energieversorgung beeinflusst. Die aus der Wassernutzung resultierenden Wasserstandsschwankungen oder die zu geringen Restwassermengen können dazu führen, dass ein Grossteil des Laiches abstirbt. Künstliche Verbauungen bilden oft unüberwindbare Hindernisse und bewirken, dass die natürliche Laichwanderung der Fische nicht mehr stattfinden kann. Die Berufs- oder Angelfischerei spielt für den Fischbestand in den Urner Gewässern hingegen eine eher untergeordnete Rolle.
In diesen negativen Einflüssen auf den Fischbestand liegt die Legitimation für den Laichfischfang und die fischereiliche Bewirtschaftung. Oberstes Ziel ist dabei die Arterhaltung. Ein Aussterben, gleich welcher Fischart, soll durch Besatzmassnahmen, wenn notwendig auch durch Nutzungsverbote, verhindert werden. Anstrengungen zur Arterhaltung werden im Kanton Uri vor allem für die Seeforelle, aber auch für das Bachneunauge in grossem Stil unternommen. Auch die Artenzusammensetzung wird mit dem Fischbesatz wesentlich beeinflusst.
Im Gegensatz zu früher geht es nicht mehr darum, durch Fang entstandene Defizite auszugleichen. Die Bewirtschaftung soll eine nachhaltige Nutzung des Bestandes ermöglichen (> Ertragsvermögen des Gewässers).
Urner Fischereiverein, Urner Fischerei, S. 130 ff.

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Fischereiverwaltung
Für den Vollzug der Fischerei ist die Fischereiverwaltung zuständig. Es ist Aufgabe des Kantonalen Fischereiinspektors und seiner nebenamtlichen Aufseher, dafür zu sorgen, dass sich die Gewässer in einem gesunden und in Bezug auf die Fischerei in einem ausgewogenen Zustand befinden.
Urner Fischereiverein, Urner Fischerei, S. 131.

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Laichfang
Unter Aufsicht des Fischereiinspektors findet der alljährliche Laichfischfang auf See- und Bachforellen statt. Für die im See zu bewirtschaftenden Fischarten kann er auf die Mithilfe der Berufsfischer zählen, die den Laich ihrer im Netz gefangenen Fische der Fischereiverwaltung zur Weiterzucht abliefern müssen.
Urner Fischereiverein, Urner Fischerei, S. 132 f.

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Schongewässer
Neben den drei Aufzuchtanlagen hat der Kanton verschiedene «Schongewässer» ausgeschieden. In diesen Gewässern ist die Angelfischerei verboten. Sie dienen der Beschaffung von natürlichem Besatzmaterial. In diesen meist kleineren Gewässern wachsen wertvolle und an die harten Bedingungen der Natur angepasste Jungfische heran. Sie sind als Ergänzung zu den Jungfischen aus den Aufzuchtanlagen gedacht, leisten aber auch einen wichtigen Beitrag beim Wiederbesatz allfälliger Schadenstrecken.
Urner Fischereiverein, Urner Fischerei, S. 134.

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EREIGNISSE IM DETAIL

Montag, 4. Juni 1973
Kantonale Fischbrutanstalt in Flüelen eröffnet

UW 44/1973
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Montag, 27. September 2004
Forellen und Saiblinge ausgesetzt
23500 Forellen und Saiblinge schwimmen in die freiheit. Rund ein Dutzend freiwillige Helfer begleiten die Fische in ihr neues Zuhause, die Urner Bergseen. Um den Stress der Fische zu mindern werden sie per Helikopter transportiert.
UW 83, 23.10.2004
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Samstag, 2. Oktober 2010
Fischereiverein: Rund 450'000 Fische ausgesetzt
Rund 50 Fischer folgen dem Aufruf zum Hauptbesatztag. Vier Teams sind unterwegs, um die Fische in die Freiheit zu entlassen. Insgesamt können diesen Herbst zirka 450'000 Besatzfische aus eigener Zucht in den Fliessgewässern ausgesetzt werden.
UW 79, 9.10.2010
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Dienstag, 11. April 2017
Regierungsrat erteilt Konzession für Fischzucht
Der Regierungsrat erteilt der Basis 57 nachhaltige Wassernutzung AG eine Konzession zur Nutzung des sauberen Bergwassers beim Nordportal des Gotthard-Basistunnels zum Betreiben einer Fischzuchtanlage. Aus den Tunnelrohren des Gotthard-Basistunnels tritt warmes und sauberes Bergwasser von 150 bis 400 Liter pro Sekunde aus. Dies bei einer ganzjährigen Temperatur zwischen 13 und 15 Grad Celsius. Die Basis 57 erhalt die Konzession zur Nutzung von 100 Litern Wasser pro Sekunde. Die Firma plant den Aufbau der zurzeit grössten Fischzuchtanlage der Schweiz mit einer Produktionskapazität von bis zu 600 Tonnen Speisefisch pro Jahr. Neben der eigentlichen Fischzucht beabsichtigt sie zudem, eine eigene Aufzucht von Jungfischen zu betreiben. Neben der Basis 57 erhalten auch die Gemeindewerke Erstfeld (GWE) und die kantonale Fischereiverwaltung eine Konzession zur Nutzung des Bergwassers. Die GWE beanspruchen eine Option auf die Wassermenge von 36 Litern pro Sekunde. Die Option gilt bis am 31. Dezember 2022. Bis dahin können die GWE entscheiden, ob sie die konzessionierte Wassermenge im Rahmen eines Projekts nutzen wollen. Die kantonale Fischereiverwaltung plant, ihre Aufzuchtanlagen respektive Fischgraben an den Standort Erstfeld zu verschieben. Ihr wird eine Option auf 50 Liter Wasser pro Sekunde konzessioniert. Mit dem Betrieb zweier Anlagen auf demselben Areal entstehen verschiedene Synergien für den Betrieb der Fischereiverwaltung und der Basis 57.
UW Nr. 29, 12.4.2017, S. 1 und 3.
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Samstag, 25. November 2017
Basis 57 nimmt den Betrieb auf
Die neue Produktionshalle der Basis 57 nachhaltige Wassernutzung AG ist fertig gebaut. In ihr wird ab diesem Winter die grösste Satzfischzucht der Schweiz betrieben. Viermal im Jahr werden dort Zander gestreift und Satzfische produziert. In der neuen Produktionshalle der Urner Satzfischzucht werden zur selben Zeit sämtliche vier Jahreszeiten herrschen. Es werden verschiedene Zander-Elterntiergruppen zu unterschiedlichen Zeiten mit einem speziellen Temperatur-, Licht- und Fütterungsprogramm in den Winter geschickt. Während die einen Tiere die kalte Jahreszeit durchwintern, verspürt die Zandergruppe im benachbarten Wasserbecken Frühling. Die Fischwirte können viermal im Jahr die Tiere streifen und Laich gewinnen – unabhängig von der tatsächlichen Jahreszeit. Nach der Erbrütung des Laichs zieht die Basis 57 die Tiere auf, bis sie mindestens 10 Gramm schwer sind. Dieser Prozess dauert zirka 90 Tage. Danach sind sie robust genug für den Transport und das Einsetzen in Mastbecken. Die Urner Fischzucht wird die Zandersatzfische schweizweit an Zandermäster verkaufen, und sobald die eigene Fischzucht beim Neat-Nordportal gebaut ist, ebenfalls ihre eigenen Becken damit besetzen.
UW Nr. 94, 25.11.2017, S. 7.
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Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 01.10.2026