Urner Ereignisse an einem bestimmten Tag
Montag, 5. April 2010
"Dr Letscht vo dr Chlaridealp"
Der Theaterverein Unterschächen feiert Premiere. Sehr gute Theaterleistung, mit Sagen und Geschichte vermischt. Das Ludwig-Lussmann-Stück in Unterschächen überzeugt.
20 Jahre sei es her, seit der Theaterverein Unterschächen das letzte Mal «Dr Letscht vo dr Chlaridealp» von Ludwig Lussmann gespielt habe, sagt Regisseur Hans Muheim. Als Grund für die Wahl nennt er auch die Vorliebe des Vereins für derartige Volksstücke, den Bezug zu den örtlichen Gegebenheiten im Stück und das diesjährige grosse Angebot an Spielern und Spielerinnen. Das Stück benötigt 16 Akteure und Akteurinnen sowie bei fünf Akten einen grossen Aufwand an Kulissen. Um «Dr Letscht vo dr Chlaridealp» (Uraufführung 1968) wieder etwas zu aktualisieren, hat Hans Muheim den Stoff neu bearbeitet und etwas gekürzt. Das tat dem Stück gut, denn es kommt dem Besucher keineswegs langatmig oder etwa sogar langweilig vor. Das Geschehen läuft vielmehr zügig und sehr durchsichtig ab. Dazu tragen aber auch die sehr guten spielerischen und sprachlichen Leistungen der Spieler und Spielerinnen bei. Der Besucher merkt, dass sie sich in ihrer Rolle wohl fühlen. Ausser beim etwas tollpatschigen Knecht Michi (Marcel Herger) und den beiden Kindern gibt es weniger zu lachen als sonst. Da ist die Geschichte zu ernst, in der eine Sage von der Chlaridenalp und die Geschichte von der Gründung der Sennenbruderschaft zu einem fast historischen Stück verknüpft werden.
Das Sagenhafte erlebt einen Aufschwung
In Uri ist dieses Stück 1990 und 1993 zum 400-Jahr-Jubiläum der Sennenbruderschaft in Bürglen aufgeführt worden. Sagen erleben aber heute wieder einen Boom, und so ist das Stück aktueller denn je. Die Chlaridenalp, wo sich seltsame Dinge abgespielt haben sollen, die zu Viehseuchen und Alpzerstörungen geführt hatten, lebt für kurze Zeit wieder auf. Der Hang nach Geld und Macht ist in Zeiten der Finanz- und Libyenkrise aktueller denn je. «Wo führt das hin, wenn keine Werte mehr gelten», fragt sich der Besucher? Da die Chlaridenalp oberhalb des Urnerbodens quasi vor der Haustüre liegt und die Sennenbruderschaft im Schächental allen bekannt ist, hat das Stück einen unmittelbaren Bezug. Die Kulissenbauer, Noldi Imhof, Alois Gisler und Paul Minnig, haben starke Bilder gestaltet. Besonders gefällt das Bild der Chlaridenalp mit der sehr gut gelungenen Stimmung des nahenden Untergangs.
Entgegen dem schwindenden, unantastbaren Image der Kirche von heute spielt das Religiöse im Stück eine grosse Rolle. Der Kaplan (Peter Muheim) weiss viel, warnt, schlichtet und verzeiht. Dem Betruf wird mit Andacht gefolgt. Verfehlungen an Mensch und Tier werden gnadenlos bestraft. Der von Macht und Geld geblendete Joder (Christian Bissig), der gottesfürchtige Butzliger (Gustav Muheim) oder der grobschlächtige Senn Baschi (Bernhard Arnold) spielen überzeugend und in markiger Sprache. Sehr schön sind auch die musikalischen Einspielungen des Geigenspiels (Christian Herger). Die von Maria Gehrig komponierte Streichmelodie gibt dem Erzählten einen roten Faden und erinnert den Besucher immer wieder an den religiösen Charakter des Stückes. Die Leute um Joder herum ahnen Ungutes, getrauen sich aber angesichts seiner Macht nichts zu sagen. Hans Muheim hat gut Regie geführt und, wie er selber sagt, mehr als sonst in das Stück investiert. Alle, die etwas Ernsteres mögen, sind in Unterschächen gerade richtig.
Quellen / Literatur:
UW 26, 7.4.2010
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DAS HEUTIGE DATUM
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