GESCHICHTE

Allgemeines Geschichtsforschung

ZEITGESCHICHTE

Zeitraum Frühzeit Römer und Alemannen Früh- und Hochmittelalter Tells Legende Spätmittelalter Altes Uri Helvetik Mediation 1813 - 1848/50 1850 - 1888 1888 - heute

Klösterlicher Grundbesitz in Uri

Kloster Disentis

- 1649
Das Kloster Disentis gehört zu den ältesten Klöstern im Gebiet der heutigen Schweiz. Seine Anfänge reichen wahrscheinlich ins frühe 8. Jahrhundert zurück. Der Überlieferung nach wirkten der fränkische Wandermönch Sigisbert und der einheimische Placidus am Ursprung der klösterlichen Gemeinschaft. Aus der zunächst kleinen Einsiedelei entwickelte sich eine Benediktinerabtei, die aufgrund ihrer Lage am Zugang zu den Bündner Alpenpässen bald auch politische und wirtschaftliche Bedeutung gewann.

Das Urserntal gehörte im Mittelalter nicht zur Grundherrschaft des Fraumünsters Zürich, wie das eigentliche Uri. Vielmehr war hier der Abt von Disentis Grundherr des gesamten Tales. Die Verbindung reicht weit ins Frühmittelalter zurück. Das Kloster verfügte über Grundbesitz und grundherrliche Rechte und hatte damit Anspruch auf Abgaben und Leistungen der Talbewohner.

Das Urserntal bildete ursprünglich eine Klosterpfarrei von Disentis. Kirchliches Zentrum war die alte St.-Kolumbanskirche in Andermatt. Damit orientierte sich Ursern kirchlich über den Oberalppass nach Disentis und zum Bistum Chur.

Mit der Erschliessung der Schöllenen und dem Aufstieg der Gotthardroute änderte sich die Situation grundlegend. Die Verbindung nach Norden gewann wirtschaftlich und politisch an Bedeutung. Ursern näherte sich deshalb zunehmend dem Land Uri an. Entscheidend wurde das Landrecht von 1410, durch das sich Ursern mit Uri verband. Die politische Annäherung Urserns an Uri bedeutete allerdings nicht, dass sämtliche Rechte des Klosters Disentis sofort verschwanden. Die alten grundherrlichen Ansprüche bestanden teilweise weiter. 1649 löste sich die Talschaft endgültig von der Grundherrschaft des Klosters Disentis. Die Bedeutung dieses Ereignisses ist in Ursern bis heute präsent: Bei der Talgemeinde von 1999 wurde ausdrücklich des 350. Jahrestages der endgültigen Loslösung von der Grundherrschaft des Klosters Disentis 1649 gedacht.

Quelle / Literatur:

KLÖSTERLICHE EREIGNISSE IM DETAIL

1288  - Donnerstag, 5. August 1288
Bündnis mit Ursern

In Ursern schliessen die Edelleute Thomas von Gluringen, Ritter Wilhelm, Nikolaus und Marquard von Moerel und Johannes von Visp im Wallis mit dem Bischof Friedrich von Chur, dem Abt Simon von Disentis und H. von Frauenberg ein Bündnis auf fünf Jahre Dauer vom nächsten St. Michaelstag an.
Gisler Friedrich, Urner Geschichtskalender, Bd. 2, S. 152.
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1326  - Sonntag, 10. Februar 1326
Uri und Ursern werden verpfändet

König Friedrich verspricht seinen Brüdern, den Herzogen Leopold, Albrecht, Heinrich und Otto von Österreich für die ihm geleisteten Dienste 26‘000 Mark Silbers und verpfändet ihnen hiefür unter anderm auch das Tal Uri und die Vogtei des Klosters Disentis mit Ursern.
Gisler Friedrich, Urner Geschichtskalender, Bd. 2, S. 65.
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1407  - Dienstag, 8. September 1407
Abt von Disentis wird ins Urner Landrecht aufgenommen

Der Abt von Disentis, Petrus von Pontalingen, erhält das Landrecht von Uri. In der Landrechtsurkunde sind die Rechte und Pflichten des neuen Landsmannes genau umschrieben.
Gisler Friedrich, Urner Geschichtskalender, Bd. 2, S. 99.
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1425  - Dienstag, 8. Februar 1425
Eingung zwischen den Gotteshausleuten zu Ursern und dem Kloster Disentis

Zwischen Ammann und den Talleuten von Ursern und dem Abt von Disentis, Petrus von Pontaningen, findet eine Einigung statt, welche zu Ursern besiegelt wird. Darin werden die rechtlich-politischen Verhältnisse der Gotteshausleute zu Ursern genau umschrieben.
Gisler Friedrich, Urner Geschichtskalender, Bd. 2, S. 125.
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1484  - Sonntag, 8. Juni 1484
Urner vermitteln bei Streit um Kirchenschatz von Ursern

Landammann Hans Fries und Landschreiber Peter Käs vermitteln mit dem Abt Johannes Schnagg, von Disentis (1464—1497) für die Gotteshausleute in Ursern wegen des Kirchensatzes, nachdem der Abt kürzlich ihnen einen Seelsorger bestellte, den die Ursener nur ungern annahmen.
Gisler Friedrich, Urner Geschichtskalender, Bd. 2, S. 84.
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1640  - Samstag, 4. August 1640
Fürstabt von Disentis schreibt geharnischten Brief an Pfarrer von Ursern

Der Fürstabt von Disentis schreibt dem von den Talleuten zu Ursern neu erwählten Pfarrer, dass er sich nicht erfrechen solle, die dortige Pfarrei anzutreten, weil er der Abt-Kollator sei und nicht das Tal Ursern.
Gisler Friedrich, Urner Geschichtskalender, Bd. 2, S. 94.
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1649  - Donnerstag, 26. August 1649
Verzicht des Abts von Disentis auf Rechte in Ursern
Ursern
Der Abt von Disentis verzichtet auf alle weltliche Rechte in Ursern. Er erhält dafür 1500 Gulden, davon 1000 von Uri.

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1665  - Donnerstag, 2. Juli 1665
Vereinbarung wegen Wahl des Pfarrers von Ursern

Der Fürstabt von Disentis und Ammann, Rat und gemeine Talleute zu Ursern treffen eine Vereinbarung wegen der Wahl eines Pfarrers für Ursern.
Gisler Friedrich, Urner Geschichtskalender, Bd. 2, S. 147.
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1665  - Donnerstag, 20. August 1665
Ursern entschuldigt sich bei Uri wegen Vergleich mit Disentis

Der Rat von Ursern entschuldigt sich bei den Herren Obern wegen des mit dem Fürstabt von Disentis abgeschlossenen Vergleichs, welcher den Herren von Uri nicht nachteilig sein könne, nachdem dem Abt die Kollatur der Pfarrei Ursern zustehe.
Gisler Friedrich, Urner Geschichtskalender, Bd. 2, S. 96.
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1665  - Mittwoch, 2. September 1665
Streit um Kollatur in Ursern

Der Fürstabt von St. Gallen schreibt an den Abt von Disentis, dass der Vergleich mit Ursern wegen der Kollatur ihrer Pfarrpsründe zu Andermatt beim Stand Uri grosse Hindernisse finde, weshalb er den Rat gibt, sich gütlich mit Uri abzufinden.
Gisler Friedrich, Urner Geschichtskalender, Bd. 2, S. 156.
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1694  - Dienstag, 25. Mai 1694
Die Schwestern des Klosters werden bei Verwandten untergebracht

Kapuzinerguardian P. Johann Hector Wüörner organisiert die provisorische Unterbringung der Schwestern bei Verwandten. Danach trifft Visitator P. Franz Sebastian von Beroldingen ein, der Anordnungen trifft. Frau Mutter Januaria Magdalena Megnet und sieben Schwestern beziehen das Haus von Karl Konrad von Beroldingen, des Bruders des Visitators (an der Herrengasse), andere finden, je zu zweien, Aufnahme in andern Klöstern (bei den Kapuzinerinnen von Luzern, Stans, Baden, Solothurn, Zug und Appenzell, auch in Klöstern anderer Orden, Seedorf, Eschenbach, Rathausen, Steinberg-St.Joseph). Das Kloster Disentis kommt für nach Graubünden zurückgekehrte Schwestern auf.
Gasser Helmi, Kunstdenkmäler Seegemeinden Bd I.1 S. 315.
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1760  - Mittwoch, 23. Juli 1760
Abt von Disentis besteht auf dem Präsentationsrecht des Pfarrers von Ursern

Der Abt von Disentis stellt das Ansuchen an die Obrigkeit von Uri, sie möchte den Ursnern Befehl geben, ihren neuerwählten Pfarrer nach der Konvention von 1665 ihm zu präsentieren.
Gisler Friedrich, Urner Geschichtskalender, Bd. 2, S. 150.
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1795  - Samstag, 11. Juli 1795
Letzte Prozession von Ursern nach Disentis bis nach der Helvetik

In Ursern findet die letzte Prozession des Tales nach Disentis während der französischen Revolution und der Helvetik statt. Bei St. Wendel im Wiler wird die erste Station gemacht mit Erteilung des Segens, sodann werden Kreuz und Fahne von der Stange genommen.
Gisler Friedrich, Urner Geschichtskalender, Bd. 1, S. 158.
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1999  - Sonntag, 16. Mai 1999
Talgemeinde Ursern in Hospental

Die Talgemeinde der Korporation Ursern im Ring vor der Pfarrkirche in Hospental steht im Zeichen von Gedenkfeiern, Man gedenkt wichtiger historischer Ereignisse, die sich vor 500, 350 und 200 Jahren zugetragen haben, Ereignisse, welche die Freiheit, die Geschichte und das Schicksal des Urserentales geprägt hätten, betont Talammann Karl Danioth: der Heldentod von Heini Wolleb in der Schlacht von Frastanz 1499, die endgültige Loslösung der Talschaft Ursern von der Grundherrschaft des Klosters Disentis 1649 und die Besetzung des urserentales durch fremde Heere von 1798 bis 1802.
UW 38, 19.5.1999
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2014  - Sonntag, 31. August 2014
Wallfahrtstradition lebt in Ursern wieder auf

Frühmorgens kurz nach sechs Uhr läutet die kleine Glocke der St. Wendelins-Kapelle im Wiler ob Andermatt und ruft die Pilgerinnen und Pilger zur Wallfahrt ins Kloster Disentis auf. 45 Personen nehmen den beschwerlichen Weg von 33 Kilometern unter die Füsse. Damit lebt eine alte Tradition wieder auf, die Wallfahrt der Talschaft Ursern zum Kloster Disentis. Die letzte derartige Prozession fand 1794 statt. Das trockene Wetter hält, bis die Wallfahrer unter dem Dach der Klosterkirche eintreffen. Hier feiern rund 150 Personen die heilige Messe mit Abt Vigeli Monn.
UW 69, 3.9.2014, S. 5.
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KLÖSTERLICHE GRUNDHERRSCHAFTEN

Grundherrschaft in Uri
Fraumünsterabtei Zürich
Kloster Disentis
Kloster Wettingen

KLÖSTERLICHER GRUNDBESITZ

Kloster Engelberg
Kloster Frauental
Kloster Kappel
Kloster Rathausen

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Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 08.08.2026