Der Energiewandel in der Kommunikation
Die Geschichte der Kommunikation ist eng mit der Geschichte der Energie verbunden. Über Jahrhunderte mussten Nachrichten durch Menschen, Tiere oder sichtbare Zeichen weitergegeben werden. Erst im 19. Jahrhundert trat die elektrische Energie an die Stelle der Muskelkraft und ermöglichte es, Informationen nahezu unabhängig von der Entfernung zu übertragen.
Zu den ältesten Formen der Nachrichtenübermittlung gehörten Feuer-, Rauch- und andere optische Zeichen. Auf erhöhten Punkten entzündete Warnfeuer konnten über grosse Entfernungen gesehen und von einer Station zur nächsten weitergegeben werden. Solche Hochwachten und Feuerzeichen waren auch in der alten Eidgenossenschaft bekannt. Energetisch beruhte diese Form der Kommunikation auf der chemischen Energie des Brennstoffs, meist Holz. Sie wurde durch die Verbrennung in Wärme und Licht umgewandelt. Die Übertragung war zwar schnell, doch der Informationsgehalt äusserst beschränkt: Ein Feuer konnte beispielsweise Gefahr oder das vereinbarte Signal zur Mobilmachung anzeigen, aber keine ausführliche Nachricht übermitteln.
Für genauere Botschaften blieb deshalb während Jahrhunderten der Mensch selbst der wichtigste Energieträger der Kommunikation. Im alten Uri erfüllte insbesondere der Urner Standesläufer diese Aufgabe. Er überbrachte Mitteilungen und Botschaften der Regierung an andere Orte, Stände und Behörden. Der Standesläufer war nicht nur Bote, sondern zugleich Repräsentant des Standes Uri. Er trug die schwarz-gelben Standesfarben, führte das Urner Wappenschild und war mit einem Spiess ausgerüstet. Die für die Nachrichtenübermittlung notwendige Energie stammte vollständig aus der menschlichen Muskelkraft. Die Geschwindigkeit einer Nachricht war deshalb unmittelbar von der körperlichen Leistungsfähigkeit des Läufers, der Wegbeschaffenheit und der Witterung abhängig.
Eine erhebliche Beschleunigung brachte der Einsatz von Pferden und Postreitern. Nun wurde die menschliche durch tierische Muskelkraft ergänzt beziehungsweise ersetzt. Gerade auf der wichtigen Gotthardroute erhielt diese Form der Nachrichtenübermittlung grosse Bedeutung. 1693 wurde ein Vertrag mit den Herren von Fischer in Bern und Muralt von Zürich über die Führung der Post über den Gotthard abgeschlossen. Die berittene Post verkehrte zweimal wöchentlich zwischen Altdorf und Mailand; für die Strecke waren 72 Stunden vorgesehen. Pferdewechsel und organisierte Poststationen ermöglichten zunehmend regelmässige Verbindungen. Die Energiequelle blieb jedoch letztlich biologischer Herkunft: Das Futter lieferte die chemische Energie, die der tierische Organismus in Muskelkraft umsetzte.
Mit dem Ausbau der Strassen entwickelte sich aus dem Boten- und Reiterverkehr ein immer dichteres Postwesen. Briefe, Zeitungen und Pakete konnten nun mit Postwagen und später mit Eisenbahn und motorisierten Fahrzeugen transportiert werden. Einen entscheidenden organisatorischen Einschnitt brachte die Gründung des schweizerischen Bundesstaates 1848. Die Bundesverfassung übertrug das Postwesen dem Bund und schuf damit die Grundlage für eine einheitliche Eidgenössische Post. Der Energiewandel im Postwesen verlief danach parallel zur Verkehrsgeschichte: Fussboten und Pferdefuhrwerke wurden durch Eisenbahn, Automobile, Postautos und Lastwagen ergänzt und weitgehend ersetzt. Muskelkraft wich damit zunehmend Kohle, Treibstoffen und schliesslich auch elektrischer Energie.

Die eigentliche Revolution der Kommunikation begann jedoch mit der Elektrizität. Erstmals musste eine Nachricht nicht mehr körperlich von einem Ort zum anderen transportiert werden. Mit dem Telegraphen konnten Zeichen als elektrische Impulse durch Leitungen geschickt werden. In der Schweiz wurde 1852 der erste Telegraphendienst zwischen St. Gallen und Zürich eröffnet; bereits 1853 bestanden Telegraphenverbindungen in Uri. Damit veränderte sich das Verhältnis zwischen Energie, Raum und Zeit grundlegend. Während ein Läufer, Reiter oder Postwagen Stunden oder Tage benötigte, konnte eine telegraphische Nachricht innerhalb kurzer Zeit über grosse Entfernungen gelangen.
Der nächste Schritt war das Telefon. Nun mussten Nachrichten nicht mehr in Schrift oder Telegraphenzeichen übersetzt werden; die menschliche Stimme selbst konnte elektrisch übertragen werden. In Uri entstanden ab 1891 zunächst militärische Telefonverbindungen zwischen den Festungsanlagen von Airolo und Andermatt sowie nach Göschenen. Danach wurde auch das zivile Telefonnetz ausgebaut. Anfangs mussten Gespräche von Hand in einer Zentrale vermittelt werden. Später ermöglichten automatische Zentralen die direkte Wahl des Gesprächspartners. Die Schweiz verfügte 1959 über das erste vollständig automatisierte Telefonnetz der Welt.
Post, Telegraph und Telefon rückten auch organisatorisch immer enger zusammen. In den 1920er-Jahren wurden Post- und Telegraphenverwaltung schrittweise zur PTT vereinigt. Poststellen waren damit vielerorts gleichzeitig Postamt, Telegraphenstelle und öffentliche Telefonstation. Diese Verbindung zeigt den grundlegenden Energiewandel besonders anschaulich: Im gleichen Gebäude traf die traditionelle, auf dem physischen Transport beruhende Briefpost auf die elektrische Übermittlung von Nachrichten.

Eine weitere Stufe erreichte die Kommunikation mit dem Radio. Während Telegraph und Telefon in erster Linie eine Verbindung zwischen bestimmten Teilnehmern herstellten, konnten Rundfunksender gleichzeitig Tausende von Menschen erreichen. In der Schweiz begannen in den frühen 1920er-Jahren erste Rundfunkversuche; 1923 wurden Lokalradio-Versuche bewilligt und 1931 entstand die Schweizerische Rundspruchgesellschaft SRG. Auch in Uri hielt das neue Medium rasch Einzug. Bereits im November 1924 bestand im Kollegium eine Radiostation; kurz darauf kamen private Empfangsanlagen hinzu. Elektrische Energie wurde nun nicht mehr nur für die Übertragung durch Drähte verwendet, sondern auch zur Erzeugung und zum Empfang elektromagnetischer Wellen. Nachrichten, Musik, politische Ansprachen, Wetterberichte und später Unterhaltung konnten praktisch gleichzeitig im ganzen Land gehört werden.
Das Fernsehen erweiterte dieses Prinzip um das bewegte Bild. An der Schweizerischen Landesausstellung von 1939 wurden erste öffentliche Fernsehversuche vorgeführt. Ab 1953 strahlte die SRG regelmässig Programme aus; wenig später konnte das Fernsehen auch in Uri empfangen werden. Mit der Einführung des Farbfernsehens 1968 nahm seine Verbreitung stark zu. Für Uri bemerkenswert ist die erste Farb-Livesendung von «Dopplet oder nüt» aus Altdorf im Jahr 1970. Wegen der Gebirgstopographie waren jedoch zusätzliche Umsetzer notwendig, bevor das Programm in weiten Teilen des Kantons empfangen werden konnte. 1977 nahm die Gemeinschaftsantenne Altdorf ihren Betrieb auf.
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