Der Energiewandel im Bürobereich
Die Entwicklung der Büroarbeit ist eng mit einem grundlegenden Wandel der verwendeten Energieformen verbunden. Während Schreiben, Rechnen, Kopieren und Ordnen während Jahrhunderten fast ausschliesslich durch menschliche Muskelkraft ausgeführt wurden, hielten seit dem späten 19. Jahrhundert zunehmend mechanische Geräte Einzug. Im 20. Jahrhundert folgten elektrische und elektronische Maschinen, bis schliesslich der Computer zahlreiche zuvor getrennte Arbeitsgeräte in einem einzigen System vereinigte. Der Energiewandel im Büro lässt sich deshalb vereinfacht als Entwicklung von der Muskelkraft über die Mechanik und Elektrizität zur Elektronik und Digitalisierung beschreiben.

Über Jahrhunderte war die Schreibfeder das wichtigste Werkzeug für die schriftliche Büroarbeit. Die eigentliche Energie lieferte dabei der Mensch. Mit der Hand wurde die Feder über Papier oder Pergament geführt und in Tinte getaucht. Briefe, Rechnungen, Protokolle, Verträge und ganze Geschäftsbücher entstanden auf diese Weise. Die Arbeitsgeschwindigkeit war begrenzt, und für eine gut lesbare Schrift waren Übung und Konzentration erforderlich. Auch das Kopieren eines Schriftstückes bedeutete zunächst, dass es von Hand nochmals abgeschrieben werden musste.
Einen entscheidenden Schritt zur Mechanisierung brachte im ausgehenden 19. Jahrhundert die Schreibmaschine. Bei der mechanischen Schreibmaschine blieb die menschliche Muskelkraft die eigentliche Energiequelle. Der Druck auf eine Taste setzte jedoch einen ausgeklügelten Mechanismus in Bewegung: Ein Typenhebel schlug über ein Farbband auf das Papier, während der Wagen nach jedem Anschlag um eine Stelle weiterrückte. Die Muskelbewegung des Menschen wurde somit durch eine Maschine übertragen und präzisiert. Texte konnten schneller und vor allem in einer einheitlichen Schrift hergestellt werden. Mit Kohlepapier liessen sich zudem mehrere Durchschläge gleichzeitig anfertigen.
Mit der elektrischen Schreibmaschine verlagerte sich ein Teil der benötigten Energie vom Menschen auf den Elektromotor. Die schreibende Person musste die Tasten nur noch leicht betätigen; der eigentliche Anschlag wurde elektrisch ausgelöst. Spätere Kugelkopf- und Typenradmaschinen ermöglichten einen gleichmässigen Schriftanschlag und teilweise sogar einen Wechsel der Schriftart. Elektronische Schreibmaschinen verfügten schliesslich über kleine Speicher, Korrekturfunktionen und Displays. Damit näherten sie sich bereits dem Computer an.

Auch beim Rechnen lässt sich dieser Wandel deutlich verfolgen. Während einfache Berechnungen zunächst im Kopf oder schriftlich vorgenommen wurden, dienten Rechenhilfen dazu, die geistige Arbeit zu unterstützen. Der Rechenschieber war bis weit ins 20. Jahrhundert ein wichtiges Instrument für technische und wissenschaftliche Berechnungen. Er benötigte keinerlei Elektrizität. Die Energie zum Verschieben der Skalen und des Läufers lieferte wiederum die Hand des Benutzers. Auf der Grundlage logarithmischer Skalen konnten Multiplikationen, Divisionen, Potenzen und weitere Berechnungen vergleichsweise schnell durchgeführt werden.
Für die kaufmännische Büroarbeit wurden dagegen mechanische Rechenmaschinen wichtig. Durch das Drücken von Tasten, das Drehen einer Kurbel oder das Betätigen eines Hebels wurden Zahnräder und Zählwerke bewegt. Addition und Subtraktion, bei aufwendigeren Geräten auch Multiplikation und Division, konnten damit mechanisch ausgeführt werden. Die menschliche Muskelkraft setzte die Maschine in Bewegung, während deren Mechanik die eigentliche Rechenoperation übernahm. Später erhielten solche Maschinen einen Elektromotor. Elektrische Rechenmaschinen beschleunigten insbesondere Buchhaltung, Verwaltung und kaufmännische Arbeiten erheblich.
In den 1960er- und 1970er-Jahren begann der elektronische Taschen- und Tischrechner die mechanischen Rechenmaschinen und den Rechenschieber zu verdrängen. Transistoren und später integrierte Schaltungen ermöglichten immer kleinere und leistungsfähigere Geräte. Nun wurde nicht mehr mit Zahnrädern und mechanischen Zählwerken gerechnet, sondern mit elektronischen Schaltungen. Der Energiebedarf des einzelnen Gerätes sank dabei stark; Batterien oder ein kleiner Netzanschluss genügten.
Auch die Aufzeichnung der gesprochenen Sprache wurde mechanisiert und später elektrifiziert. Frühe Diktiergeräte beziehungsweise Dictaphone zeichneten Sprache zunächst mechanisch auf Walzen auf. Später kamen elektrische Geräte mit Schallplatten, Magnetdraht und vor allem Magnetband beziehungsweise Tonkassetten zum Einsatz. Der Vorgesetzte konnte einen Brief oder Bericht diktieren, den eine Schreibkraft anschliessend über Kopfhörer abhörte und auf der Schreibmaschine niederschrieb. Diktiergerät und Schreibmaschine bildeten damit während Jahrzehnten ein typisches technisches System der Büroarbeit. Später wurden analoge Diktiergeräte durch digitale Aufnahmegeräte und schliesslich durch Aufnahme- und Spracherkennungsprogramme auf dem Computer oder Smartphone ersetzt.
Auch das Vervielfältigen von Dokumenten durchlief einen vergleichbaren Energiewandel. Handschriftliche Abschriften wurden zunächst durch Kohlepapier, Kopierpressen und verschiedene mechanische oder chemische Vervielfältigungsverfahren ergänzt. Mit dem Fotokopierer wurde das Kopieren schliesslich zu einem weitgehend automatisierten, elektrisch betriebenen Vorgang. Scanner und Computer ermöglichten später die Digitalisierung eines Dokuments. Heute kann dieselbe Datei praktisch ohne zusätzlichen materiellen Aufwand beliebig oft kopiert und elektronisch versandt werden.

Den grössten Einschnitt brachte seit den 1980er- und 1990er-Jahren der Personal Computer (PC). Er vereinigte nach und nach Funktionen, für die zuvor zahlreiche einzelne Geräte erforderlich gewesen waren. Textverarbeitungsprogramme ersetzten weitgehend die Schreibmaschine, Tabellenkalkulation und Software die Rechenmaschine, Datenbanken Karteien und Register, E-Mail einen erheblichen Teil des Briefverkehrs und digitale Sprachaufzeichnung das klassische Dictaphone. Hinzu kamen Scanner, Drucker und später Internet und Netzwerke. Informationen mussten nicht mehr ausschliesslich auf Papier gespeichert und physisch von einem Ort zum anderen transportiert werden, sondern konnten elektronisch verarbeitet, gespeichert und übertragen werden.
Damit veränderte sich auch die Bürolandschaft. Früher prägten Schreibpulte, Akten, Karteikästen, Schreibmaschinen, Rechenmaschinen, Telefone und Diktiergeräte den Arbeitsplatz. Später kamen elektrische Schreibmaschinen, Kopierer und elektronische Rechner hinzu. Heute stehen Bildschirm, Computer, Tastatur und zunehmend mobile Geräte im Mittelpunkt. Viele Funktionen werden nicht mehr durch sichtbare mechanische Bewegungen ausgeführt, sondern unsichtbar durch elektronische Schaltungen und Software.
Auch die Art des Energieverbrauchs hat sich dadurch grundlegend verändert. Das traditionelle Büro benötigte für die eigentliche Informationsverarbeitung nur wenig Fremdenergie; Schreiben, Rechnen und Ablegen beruhten hauptsächlich auf menschlicher Arbeitskraft. Im modernen Büro ist dagegen Elektrizität die zentrale Energieform. Computer, Bildschirme, Drucker, Server, Netzwerke, Router und Kommunikationssysteme funktionieren nur mit Strom. Hinzu kommt die Energie für Rechenzentren und digitale Datennetze, die ausserhalb des eigentlichen Büros benötigt wird.
Literatur: Rolf Gisler-Jauch (Zeichnungen und unterstützt durch ChatGPT)
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