Der Plan eines Grosskraftwerkes in Ursern

Die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs verstärkten in der Schweiz den Wunsch nach einer unabhängigen Energieversorgung. Der CKW-Direktor Fritz Ringwald plante deshalb einen gewaltigen Stausee im Urserental. Das 1920 vorgestellte Projekt sah eine 90 Meter hohe Staumauer in der Schöllenenschlucht vor. Dadurch wäre ein bis kurz vor Realp reichender See mit 280 Millionen Kubikmetern Wasser entstanden. Das Urserental mit seinen Dörfern wäre jedoch weitgehend überflutet worden.
Obwohl die CKW die wirtschaftlichen Vorteile und die angeblichen landschaftlichen Reize des neuen Sees hervorhoben, löste das Vorhaben im Tal heftige Empörung aus. Die Bürgergemeinden von Andermatt und Hospental sowie zahlreiche Vereine und Einzelpersonen leisteten entschlossenen Widerstand. Zustimmung kam vor allem vom wirtschaftlich angeschlagenen Andermatter Hotelierverein und von 82 Einwohnern und Liegenschaftsbesitzern, die sich unter der Voraussetzung einer angemessenen Entschädigung einverstanden erklärten.
Während der Krisenjahre und vor dem Zweiten Weltkrieg trat das Projekt zunächst in den Hintergrund. Aufgegeben wurde es jedoch nicht. 1926 wurden die Pläne an einer internationalen Ausstellung in Basel gezeigt. In den 1930er-Jahren prüften auch die SBB und das Eidgenössische Amt für Wasserwirtschaft verschiedene Varianten für einen Stausee im Urserental.
1941 gründeten die CKW gemeinsam mit den SBB und mehreren Banken das «Studiensyndikat für die Ursern Kraftwerke». Nun war sogar eine 200 Meter hohe Staumauer vorgesehen. Der dadurch entstehende See hätte fast die Grösse des Urnersees erreicht und das Wasser bis nach Realp gestaut. Mit einer geplanten Jahresproduktion von drei Milliarden Kilowattstunden sollte das grösste Kraftwerk der Schweiz entstehen. Dies entsprach damals ungefähr der Hälfte des gesamten schweizerischen Stromverbrauchs. Doch entgegen den Erwartungen der Projektträger war der Widerstand der Bevölkerung von Ursern keineswegs verschwunden.

Als 1941 die Pläne für einen riesigen Stausee im Urserntal bekannt wurden, bildete sich sofort ein «Aktionskomitee gegen das Stauseeprojekt Ursern». Das Vorhaben sah eine 208 Meter hohe Staumauer beim Urnerloch und einen Speicherraum von rund 1,265 Milliarden Kubikmetern vor. Andermatt, Hospental und Realp wären überflutet und an höher gelegenen Hängen neu erbaut worden.
Im August 1941 bezeichnete eine Protestversammlung das Projekt als «ein Verbrechen an Volk und Heimat». An der ausserordentlichen Talgemeinde vom 12. Oktober 1941 erklärte Regierungsrat Karl Furrer, die Urner Regierung stehe hinter der Talbevölkerung. Als der Bundesrat dem Studiensyndikat im April 1942 dennoch Vorbereitungsarbeiten bewilligte, bekräftigten die Urschner ihre Haltung mit der Parole: «Wir verhandeln nicht! Wir verkaufen nicht! Wir gehen nicht!»
Ende 1944 wollte das Syndikat die landwirtschaftlichen Verhältnisse untersuchen – für die Bevölkerung ein erster Schritt zur Aussiedlung. Eine Befragung ergab ein überwältigendes Resultat: Von 1124 Stimmberechtigten lehnten 1088 das Projekt ab; keine einzige Stimme sprach sich dafür aus. Dennoch präsentierte das Syndikat 1945 seine Pläne und kaufte mehrere Grundstücke, Hotels und Gebäude. Gleichzeitig schlug der Bundesrat vor, bei besonders grossen Kraftwerken die Konzession künftig selbst erteilen zu können. Uri hätte damit sein Mitspracherecht verloren.

Die Talschaft organisierte daraufhin eine schweizweite Kampagne mit Versammlungen, Zeitungsartikeln und einer Broschüre. Am 19. Februar 1946 eskalierte der Konflikt beim «Krawall von Andermatt»: Eine Menschenmenge vertrieb den Ingenieur Karl Fetz gewaltsam aus dem Tal und zerstörte das Planungsbüro für Neu-Andermatt.
Der Urner Regierungsrat rief danach zur Ruhe auf, versprach aber zugleich, keiner Konzession zuzustimmen, die den Verlust der Heimat bedeutet hätte. Weitere Landkäufe wurden untersagt; das Bundesgericht stützte später diese Haltung.
1947 traten die eidgenössischen Räte auf die vorgeschlagene Teilrevision des Bundesgesetzes über die Nutzbarmachung der Wasserkräfte nicht ein. Damit scheiterte der Versuch, dem Bund bei Grosskraftwerken die Konzessionserteilung zu übertragen; die Verfügungsgewalt des Kantons Uri beziehungsweise der Korporation Ursern blieb bestehen. Das Syndikat musste damit die letzte Hoffnung begraben, nicht von Uri, sondern von Bern dereinst die Konzession zu erhalten. Am 30. Juni 1950 teilte das Syndikat in einem Schreiben der Urner Regierung mit, auf die Stausee-Konzession in Ursern zu verzichten.
Der geschlossene politische, rechtliche und publizistische Widerstand der Urschner verhinderte schliesslich die Verwirklichung des Stauseeprojekts.
Literatur, Fotos:
Fryberg Stefan, Uri und seine Wasser, S. 249-255. Farbbild: Gemälde des geplanten Stausee Urseren, Hans Beat Wieland, ca. 1940;
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EREIGNISSE BEI DER PLANUNG DES GROSSKRAFTWERKES URSERN
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Montag, 1. Oktober 1945
Das Hotel Sonne wird dem Stauseesyndikat verkauft
Das Hotel Sonne wird dem Syndikat verkauft, das dort unverzüglich sein Baubüro einrichtet. Wenig später wird zudem bekannt, dass das Hotel Monopol, drei weitere Hotels sowie zwei Privathäuser in den Händen des Studiensyndikats sind. Jetzt regt sich der Widerstand in Urseren gegen das Stauseeprojekt erst recht.
Quellen:
Fryberg Stefan, Uri und seine Wasser, S. 252.
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1920
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Samstag, 10. Januar 1920
Erste Zeitungsmeldungen betreffend einen Stausee in Ursern
Erste Zeitungsmeldungen betreffend einen Stausee in Ursern.
Quellen:
UW 2,26,27,28/1920; mehrere Artikel
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1941
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Sonntag, 12. Oktober 1941
Extra-Talgemiende gegen Stauseeprojekt
Eine ausserordentliche Talgemeinde findet auf dem Schlüsselplatz in Andermatt statt. Regierungsrat Karl Furrer aus Hospental versichert den zahlreich erschienenen Urschner Bürgern, dass die Urner Regierung geschlossen hinter dem Volk von Urseren stehe und es in seinem Abwehrkampf vorbehaltlos unterstütze.
Quellen:
UW 82, 18.10.1941
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1942
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Sonntag, 1. Februar 1942
Gegen Schaffung der Grosskraftwerke Rheinwald und Ursern
Die in Bern am versammelten Vertreter sämtlicher kantonaler Naturschutz-Kommissionen sprechen sich einstimmig gegen den Bau der Grosskraftwerke in Rheinwald und Ursern aus.
Ebenfalls im Februar wird eine Delegation des Urner Regierungsrates und der Korporation Urseren von den Bundesräten Celio und Kobelt empfangen. Diese versichern den Urnern, dass «auf mindestens zehn Jahre hinaus ein Stauwerk und die Unterwassersetzung des Urserentales nicht in Frage kommen könne». Erleichtert reisen die Urner zurück.
Quellen:
UW 10, 7.2.1942; Fryberg Stefan, Uri und seine Wasser, S. 251.
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1942
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Mittwoch, 15. April 1942
Bundesrat krebst beim Stauseeprojekt zurück
Der Bundesrat gibt dem Studiensyndikat die Bewilligung, «alle Handlungen im Gelände vorzunehmen, die zur Vorbereitung des Grossakkumulierwerkes Andermatt notwendig sind. Der bundesrätliche Entscheid ruft in Urseren riesige Empörung hervor. Flugblätter werden verteilt, welche die Urschner Bevölkerung zum Widerstand aufrufen, und ausserordentliche Gemeindeversammlungen bekräftigten einmal mehr die schon 1941 an der ausserordentlichen Talgemeinde gefasste Parole: «Wir verhandeln nicht! Wir verkaufen nicht! Wir gehen nicht!»
Quellen:
Fryberg Stefan, Uri und seine Wasser, S. 251.
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1942
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Dienstag, 15. Dezember 1942
Brief bringt Gemüter der Urschner in Wallung
Nach einer eher ruhigen Phase bringt Mitte Dezember ein Brief die Gemüter der Urschner wieder gewaltig in Wallung. Darin teilt Karl Josef Fetz, Ingenieur und Beauftragter des Studiensyndikats, der Korporation Urseren mit, dass er damit beauftragt worden sei, einen Bericht über die landwirtschaftlichen Verhältnisse im Tal zu erstellen. Dies bedeutete der erste Schritt für einen Aufkauf von Land und die Aussiedlung der Bauernbetriebe. Der Korporationsrat war empört und lehnte jede Zusammenarbeit mit dem Studiensyndikat kategorisch ab. Im Gegenteil: Gemeinsam mit dem Komitee für die Stauseebekämpfung organisiert er eine Volksabstimmung. Vertrauensleute befragten sämtliche Bürger, was sie vom Projekt hielten. Das Resultat ist überwältigend: Von 1124 Stimmberechtigten sprechen sich 1088 schriftlich gegen den Stausee aus. Befürworter gibt es keine. Und nur 36 der Befragten schicken die Stimmzettel leer zurück.
Quellen:
Fryberg Stefan, Uri und seine Wasser, S. 250.
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1945
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Sonntag, 15. Juli 1945
Studiensyndikat lässt sich durch Volksmeinung nicht entmutigen
Von dem klaren Volksentscheid der Bevölkerung von Ursern lässt sich das Studiensyndikat überhaupt nicht entmutigen. Im Sommer 1945 stelIt es das Projekt der Öffentlichkeit vor. Für Urseren ein harter Schlag.
Quellen:
Fryberg Stefan, Uri und seine Wasser, S. 252.
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1945
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Samstag, 15. September 1945
Bund will bei den Kraftwerken mitreden
Der Bundesrat schlägt im September die Teilrevision des «Bundesgesetzes über die Nutzbarmachung der Wasserkräfte vor. Es sollen künftig bei einem Kraftwerk von mindesten hundert Millionen Kilowattstunden nicht mehr die Kantone, sondern der Bundesrat allein die Konzession erteilen. Uri, das bislang allein für die Konzessionserteilung in Urseren zuständig war, sollte dieses Recht verlieren - und das Kraftwerk endlich gebaut werden.
Zur gleichen Zeit steuerten die Auseinandersetzungen in Urseren dem Höhepunkt zu. Diese wurden auf zwei Ebenen ausgetragen: zum einen auf einer staatlich-gesetzlichen Ebene und zum anderen auf jener des Volksrechts, des Volkszorns.
Quellen:
Fryberg Stefan, Uri und seine Wasser, S. 252.
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1946
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Dienstag, 19. Februar 1946
Andermattner stürmen Planungsbüro
Am gleichen Abend, an dem Ingenieur Karl Fetz vertrieben wird, wird auch das Büro des Architekten Fred Ramseyer gestürmt, das mit der Ausarbeitung der Pläne für Neu-Andermatt beauftragt ist. Während sich der Architekt rechtzeitig in Sicherheit bringen kann, werden seine Pläne und alle technischen Einrichtungen von der tobenden Menge vollständig vernichtet. Diese Vorfälle machen in den Schweizer Medien als «Krawall von Andermatt» Schlagzeilen
Quellen:
Gotthard-Post, 23.02.1946.; Fryberg Stefan, Uri und seine Wasser, S. 250.
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1946
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Dienstag, 19. Februar 1946
Ausschreitungen gegen Ingenieur Fetz
Am Abend kommt es Ausschreitungen gegen Ingenieur Karl Fetz. Vor dem Hotel Sonne fordert eine grölende Volksmenge den Hauptverantwortlichen für die Landkäufe auf, das Tal unverzüglich zu verlassen. Während eilends herbeigerufene Behördenvertreter die aufgebrachte Masse zu beruhigen versuchen, dringen einige ins Hotel ein, packen den Ingenieur am Kragen und werfen ihn unsanft aus dem Haus. Rund 300 Personen begleiten daraufhin pfeifend und johlend den verängstigten Karl Fetz, nicht ohne ihn dazwischen immer wieder mit Schuhen und Fäusten zu traktieren, wobei sich «auch die holde Weiblichkeit sich nicht scheute, wacker mitzumachen». Auch auf seinem Marsch durch die Schöllenen dringen die Andermatter immer wieder auf den Wehrlosen ein, «sodass er in völlig zerfetzten Kleidern und mit Verletzungen am ganzen Körper halb ohnmächtig in Göschenen eintraf, wo ihm auf dem Polizeiposten die erste Hilfe zuteil wurde».
Quellen:
Gotthard-Post, 23.02.1946.; Fryberg Stefan, Uri und seine Wasser, S. 250.
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1946
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Donnerstag, 7. März 1946
Regierungsrat ruft zur Besonnenheit auf
Nach den Vorfällen in Andermatt appelliert im Urner Amtsblatt der Urner Regierungsrat in einem Aufruf an die Bevölkerung von Urseren zur «Besonnenheit und Ruhe» und verspricht ihr, nie einer Konzession zuzustimmen, «die für das Ursnervolk zwangsläufig den Verlust der Heimat bedeuten würde». Gleichzeitig verbietet er aber auch dem Studiensyndikat ausdrücklich weitere Landkäufe.
Das Bundesgericht stützt den Entscheid des Urner Regierungsrates, wonach die Landkäufe nicht rechtens waren, und zwar mit der Begründung, es sei bis zu jenem Tag ja noch gar kein Konzessionsgesuch für das Kraftwerk eingereicht worden.
Quellen:
Abl UR Nr. 010, 07.03.1946.
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1946
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Freitag, 31. Mai 1946
Konzessionsgesuch für Kraftwerkprojekt wird eingereicht
Das Syndikat reicht das Konzessionsgesuch für ein Kraftwerk Ursern ein. Die Reaktion im Urserental war nicht weniger entschlossen. Die Behörden rufen die Bevölkerung auf, gegen die öffentliche Planauflage mit folgender Begründung Einspruch zu erheben: «Verlust der Heimat, der wirtschaftlichen Existenz, von Grund und Boden und schliesslich des Bürger- und Wohnrechts». Diesem Aufruf folgen nicht weniger als 540 Einwohner des Urserentals.
Quellen:
Fryberg Stefan, Uri und seine Wasser, S. 254.
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1946
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Montag, 1. Juli 1946
Broschüre gegen das Stauseeprojekt erscheint
Eine ausserordentliche Talgemeinde hatt im Oktober 1945 beschlossen, eine Broschüre unter dem Titel «Die Talschaft Ursern wehrt sich gegen das geplante Stausee-Projekt» auszugeben . Die Schrift erscheint und wird in der ganzen Schweiz verteilt.
Im ganzen Land werden Versammlungen organisiert, wo die Urschner ihr Anliegen leidenschaftlich vortragen und meist auf grosse Sympathie stossen. Gleichzeitig werden von Ursern aus jeden Monat 300 Schweizer Zeitungen mit Artikeln bedient, welche geschickt um Unterstützung im Kampf gegen das gigantische Projekt werben.
Quellen:
Fryberg Stefan, Uri und seine Wasser, S. 250.
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1946
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Montag, 1. Juli 1946
Studiensyndikat lobt Stauseeprojekt in den höchsten Tönen
In einer im Juli 1946 publizierten Broschüre preist das Studiensyndikat einmal mehr das geplante Werk in den höchsten Tönen: «Wenn nach Vollendung des Werkes die Menschen aus aller Welt auf der Gotthardstrasse oder mit der Schöllenenbahn ins Urserental hinaufströmen und beim Austritt aus dem letzten Tunnel plötzlich vom Bergsee überrascht werden, in dem sich die Berge ringsum spiegeln, so wird es sicher keinen geben, der nicht ergriffen von der Wucht der Eindrücke, dem Volke, das solches ermöglichen half, laut oder still dankt, und es werden sich dann auch diejenigen, die heute noch Gegner sind, mit dem ausgeführten Projekt aussöhnen. Und wenn schon ein Denkmal gesetzt werden soll, so dürfte der Gedenkstein zu Ehren der Talleute von Urseren errichtet werden und den späteren Geschlechtern verkünden, dass hier einmal ein Volk wohnte, das dem Land ein grosses Opfer dar gebracht hat.»
Diese blumige Sprache kontert der Korporationsrat auf seine Art: «Und wenn schon ein Denkmal gesetzt werden soll, so dürfte der Gedenkstein zu Ehren der Talleute von Urseren errichtet werden und den späte ren Geschlechtern verkünden, dass hier ein Volk wohnt, das in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts allen Ver führungskünsten der Macht und des Kapitals trotzte und die angestammte Heimat unversehrt der Nachkommen schaft bewahrt hat.»
Quellen:
Fryberg Stefan, Uri und seine Wasser, S. 254.
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1946
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Montag, 1. Juli 1946
Studiensyndikat für den Stausee kauft zwei Liegenschaften
Dem Studiensyndikat für den Stausee in Ursern gelingt es, zwei landwirtschaftliche Liegenschaften aufzukaufen. Doch die Urner Landwirtschaftsdirektion und der Gesamtregierungsrat verweigern die erforderliche Genehmigung. Dies wieder lässt sich das Syndikat nicht gefallen und appelliert mit einer staatsrechtlichen Beschwerde an das Bundesgericht.
Quellen:
Fryberg Stefan, Uri und seine Wasser, S. 250.
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1950
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Donnerstag, 1. Juni 1950
Urner Regierungsrat leitet Konzessionsgesuch an den Landrat
Der Urner Regierungsrat stellt dem Landrat die «Botschaft betreffend das Konzessionsgesuch Grosskraftwerk Ursern» zu. Darin kam er zum Schluss, dass der Landrat «auf keinen Fall und unter keinen Umständen ein Ja zum vorliegenden Konzessionsgesuch geben kann, solange dieses Nein der Ursner besteht».
Quellen:
Fryberg Stefan, Uri und seine Wasser, S. 255.
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1951
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Samstag, 30. Juni 1951
Syndikat zieht Konzessionsgesuch für Stausee zurück
Das Syndikat kommt dem Landrat zuvor: Es teilt in einem Schreiben der Urner Regierung mit, auf die Konzession in Urseren zu verzichten.
Quellen:
Fryberg Stefan, Uri und seine Wasser, S. 255.
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