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Der Energiewandel im Tourismus

Der Tourismus gehört zu jenen Bereichen, in denen der Energiewandel besonders deutlich sichtbar wird. Noch im 19. Jahrhundert beruhte eine Reise in die Urner Bergwelt weitgehend auf menschlicher und tierischer Muskelkraft. Gäste kamen mit Schiff, Postkutsche oder Eisenbahn nach Uri und legten die letzten Strecken zu Fuss, mit Pferden, Tragtieren oder Sänften (Seelisberg) zurück. Auch der Aufenthalt in einem Gasthaus oder Hotel erforderte vergleichsweise wenig technische Energie. Geheizt wurde mit Holz oder Kohle, beleuchtet mit Kerzen, Öl- und Petroleumlampen. Warmwasser musste auf dem Herd oder in einem Heizkessel erwärmt werden. Mit der Elektrifizierung, dem Bau von Bergbahnen und Skiliften und der zunehmenden technischen Ausstattung der Hotels entwickelte sich der Tourismus dagegen zu einem bedeutenden Verbraucher von elektrischer Energie und Treibstoffen.

Für Uri war zunächst die Verbesserung der Verkehrserschliessung entscheidend. Die Gotthardbahn von 1882, die Schöllenenbahn von 1917 und die Furka-Oberalp-Bahn in den 1920er-Jahren erleichterten den Zugang zum Urserntal erheblich. Gleichzeitig entstand mit der 1916 eröffneten Treib-Seelisberg-Bahn eine frühe elektrisch betriebene touristische Bergbahn. Sie überwindet zwischen Treib und Seelisberg rund 330 Höhenmeter und zeigt beispielhaft, wie elektrische Energie den mühsamen Aufstieg durch eine maschinelle Transportleistung ersetzen konnte.

Eine für Uri besonders charakteristische Entwicklung war der Bau von Luftseilbahnen. Die topografischen Verhältnisse des Kantons mit steilen Talflanken, hoch gelegenen Siedlungen und Alpgebieten begünstigten diese Verkehrsform. Dabei dienten die Bahnen keineswegs ausschliesslich dem Tourismus. Viele Anlagen erschlossen gleichzeitig Berglandwirtschaft, ganzjährig bewohnte Siedlungen und Ausflugsgebiete. Bereits 1934 nahm die Personenluftseilbahn Schattdorf–Haldi ihren Betrieb auf. In den folgenden Jahrzehnten entstanden zahlreiche weitere Anlagen, beispielsweise nach Biel, Eggberge, Gitschenen, Brüsti und in andere Urner Berggebiete.

Der Elektromotor ersetzte dabei einen erheblichen Teil der menschlichen und tierischen Muskelkraft. Wo früher Menschen und Güter auf steilen Bergwegen hinaufgetragen oder mit Saumtieren transportiert werden mussten, konnten nun Seilbahnen Personen, Lebensmittel, Gepäck und Material in kurzer Zeit über grosse Höhenunterschiede befördern. Die Bahn Biel–Kinzig beispielsweise erschloss nicht nur ein Ausflugsgebiet, sondern zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe, Maiensässe und Alpen. Der Energiewandel hatte damit im Urner Berggebiet gleichzeitig eine touristische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung.



Eine weitere Stufe brachte die Entwicklung des Wintersports. Ursprünglich musste ein Skifahrer jeden Höhenmeter aus eigener Muskelkraft bewältigen. Wer eine Abfahrt machen wollte, stieg zuvor zu Fuss oder mit den Skiern auf. Mit dem Bau von Skiliften wurde diese körperliche Energie zunehmend durch elektrische Antriebsenergie ersetzt. Ein Elektromotor bewegte ein umlaufendes Seil, an dem sich die Skifahrer mit Bügeln oder Tellern den Hang hinaufziehen liessen. Damit konnte ein Hang an einem einzigen Tag mehrfach befahren werden. Der Skilift veränderte deshalb nicht nur den Energieeinsatz, sondern das Skifahren selbst: Aus dem Aufstieg mit anschliessender Abfahrt entwickelte sich der moderne Pistenskilauf.

Noch komfortabler waren Sesselbahnen. Nun musste der Gast während der Bergfahrt überhaupt keine eigene Bewegungsenergie mehr aufbringen. Sessellifte konnten grössere Höhenunterschiede überwinden und wurden zu wichtigen Verbindungselementen innerhalb der Skigebiete. Zusammen mit Luftseilbahnen, Gondelbahnen und Skiliften entstand eine technische Infrastruktur, mit der ganze Berglandschaften touristisch erschlossen werden konnten.

Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung in Andermatt. 1959 wurden die entscheidenden Schritte für den Bau der Gemsstockbahn und des Skilifts Gurschenalp eingeleitet. Im Februar 1962 nahmen die erste Sektion der Gemsstockbahn und der Skilift Gurschenalp den Betrieb auf; 1963 erreichten die Kabinen erstmals den Gipfel des Gemsstocks. Später wurde das Angebot unter anderem mit weiteren Skiliften und einer Sesselbahn erweitert. Damit wurde das hochalpine Gelände oberhalb Andermatts in einem Umfang zugänglich, der ohne motorisierte Aufstiegshilfen nicht denkbar gewesen wäre.

Der Energiewandel führte damit zu einer erheblichen Ausweitung des Wintertourismus. Die Gäste konnten innerhalb weniger Minuten Höhenunterschiede überwinden, für die früher ein mehrstündiger Aufstieg notwendig gewesen wäre. Gleichzeitig stieg die Beförderungsleistung der Anlagen ständig. Grössere Kabinen, schnellere Bahnen und leistungsfähigere Sessel- und Gondelbahnen ermöglichten es, immer mehr Personen in immer kürzerer Zeit in die Skigebiete zu transportieren. Mit der neueren touristischen Entwicklung Andermatts wurden ältere Anlagen ersetzt und die Skigebiete über den Oberalppass mit Sedrun verbunden; 2017 nahm dabei die erste Gondelbahn im Kanton Uri ihren Betrieb auf.

Der technische Ausbau beschränkte sich jedoch nicht auf die Transportanlagen. Auch die Hoteleinrichtungen durchliefen einen tiefgreifenden Energiewandel. Das traditionelle Gasthaus benötigte Energie hauptsächlich zum Kochen, Heizen und Beleuchten. Holz war dabei im Berggebiet lange der wichtigste Energieträger. Später kamen Kohle, Heizöl und Elektrizität hinzu. Mit dem wachsenden Komfortanspruch der Gäste nahm die Zahl der technischen Einrichtungen stark zu.

Die elektrische Beleuchtung ersetzte Kerzen, Öl- und Petroleumlampen. Zentralheizungen ersetzten Einzelöfen in den Gästezimmern. Warmwasseranlagen ermöglichten fliessendes warmes Wasser, Duschen und Badezimmer. Elektrische Küchenherde, Kühlschränke, Tiefkühlanlagen, Geschirrspüler, Waschmaschinen und Trockner veränderten die Arbeit in Küche und Hauswirtschaft. Aufzüge ersetzten das Treppensteigen und erleichterten den Gepäcktransport. Telefon, Radio und später Fernsehen wurden Bestandteil des Hotelkomforts.

Im heutigen Hotelbetrieb ist Elektrizität zu einer zentralen Energieform geworden. Beleuchtung, Küche, Kühlung, Lüftung, Aufzüge, Wascherei, Computer, Kassensysteme, Internet, WLAN, elektronische Türschlösser und zahlreiche Steuerungsanlagen sind von einer zuverlässigen Stromversorgung abhängig. Hinzu kommt die Energie für Raumheizung und Warmwasser. Moderne Gebäude setzen dafür zunehmend Wärmepumpen, Wärmerückgewinnung, verbesserte Wärmedämmung und teilweise Solarenergie ein. Der technische Fortschritt erhöht somit einerseits den Komfort, bietet andererseits aber auch Möglichkeiten, den Energieverbrauch gezielter zu steuern.

Zum Energiebedarf des modernen Wintertourismus können weitere Anlagen hinzukommen. Dazu gehören Beschneiungsanlagen, Pumpen, Pistenfahrzeuge, Werkstätten und die Beleuchtung von Betriebsanlagen. Besonders die technische Beschneiung zeigt, wie stark sich der Tourismus von den natürlichen Verhältnissen teilweise lösen konnte: Wasser wird mit Pumpen unter Druck gesetzt und bei geeigneten Temperaturen zu technischem Schnee verarbeitet. Dafür werden elektrische Energie und Wasser benötigt. Pistenfahrzeuge wiederum verwenden traditionell Dieselkraftstoff, um Skipisten zu präparieren.

Dieser Energiewandel hatte für Uri erhebliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen. Berggebiete wurden leichter erreichbar, der Wintersport entwickelte sich zu einem wichtigen touristischen Angebot, und Hotels, Restaurants, Bergbahnen, Skischulen und weitere Dienstleistungsbetriebe schufen Arbeitsplätze. Die bessere Erschliessung kam teilweise auch der einheimischen Bevölkerung und der Berglandwirtschaft zugute. Gerade die zahlreichen kleineren Urner Luftseilbahnen zeigen, dass touristische und einheimische Bedürfnisse häufig miteinander verbunden waren.

Literatur: Rolf Gisler-Jauch (Unterstützung und Zeichnungen durch ChatGPT)

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Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / letzte Aktualisierung: 16.08.2026