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Die Geschichte des Wohnens in Uri

Heizung, Heizen



Die älteste Form des Heizens war das offene Herdfeuer. Es befand sich meist in der Küche oder sogar mitten im Wohnraum. Rauch und Wärme stiegen frei auf und entwichen durch eine Dachöffnung oder später durch einen einfachen Rauchfang. Brennstoff war das in den Urner Wäldern zahlreich vorhandene Holz. Bannbriefe schützen den Schutzwald vor Überholzung. Das offene Feuer hatte einen grossen Wärmeverlust und starke Rauchentwicklung zur Folge.

Die Bauernhäuser bestanden fast vollständig aus Holz. Die Küche war das eigentliche Zentrum des Hauses. Im Winter blieb oft nur die Küche wirklich warm, während Schlafräume ungeheizt waren. Viehstall und Wohnhaus lagen häufig unter demselben Dach, wodurch die Körperwärme der Tiere zusätzlich zum Erwärmen des Hauses beitrug.

Der Stubenofen und Kachelofen (15.–19. Jahrhundert)
Die eigentliche Revolution brachte der Kachelofen. Das Feuer wurde meist von der Küche aus beschickt, während der eigentliche Ofen in der Wohnstube stand. Die Keramikkacheln speicherten die Wärme über viele Stunden und gaben sie langsam wieder ab. Dadurch blieb die Stube lange warm, obwohl nur ein- oder zweimal täglich eingeheizt werden musste. Der Kachelofen entwickelte sich zum Mittelpunkt des Hauses («Ofäbänkli»). Er besass teilweise ein Backfach oder eine Wärmekammer.
Im Kanton Uri wurde der Kachelofen zum eigentlichen Wohnofen. Während draussen oft Schnee lag, spielte sich das Familienleben während Monaten nahezu ausschliesslich in der warmen Stube ab. Besonders in abgelegenen Tälern wie Ursern, Schächental oder Maderanertal blieb der Kachelofen bis weit ins 20. Jahrhundert das wichtigste Heizsystem.

Eisenofen und Gusseisenofen (19. Jahrhundert)
Mit der Industrialisierung entstanden billigere Gusseisenöfen. Sie waren leichter als Kachelöfen und konnten rascher Wärme erzeugen. Der Ofen kühlte rasch wieder aus und erzeugte weniger angenehme Wärme. Der Brennstoff musste nachgelegt werden. Viele Bauernhäuser in Uri besassen nun zusätzlich einen Eisenofen in Küche oder Kammer.

Kohleöfen und Dauerbrandöfen (ca. 1880–1950)
Mit dem Eisenbahnnetz gelangten Kohle und Briketts auch nach Uri. Dauerbrandöfen konnten während vieler Stunden mit Kohle betrieben werden. Typische Brennstoffe waren Steinkohle, Braunkohle, Briketts oder Koks. In Uri blieb Holz jedoch vielerorts günstiger und leichter verfügbar. Kohle setzte sich vor allem in Hotels, Bahnhöfen, Verwaltungsgebäuden und städtischen Wohnhäusern durch.

Die Zentralheizung (ab etwa 1900)
Mit der Zentralheizung änderte sich das Wohnen grundlegend. Nicht mehr jeder Raum erhielt seinen eigenen Ofen. Stattdessen erzeugte ein Heizkessel im Keller warmes Wasser, das über Rohrleitungen zu Radiatoren (Heizkörpern) in allen Zimmern gelangte. Alle Räume konnten beheizt werden und spendeten eine gleichmässige Temperatur. Das Holztragen in jedes Zimmerentfiel, der Wohnraum blieb sauber. Die ersten Zentralheizungen arbeiteten mit Kohle oder Koks, später mit Heizöl und Erdgas. In Uri erhielten zunächst Hotels, Schulhäuser, Spitäler und Verwaltungsgebäude Zentralheizungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg verbreiteten sie sich auch in Einfamilienhäusern. Der klassische gusseiserne Radiator wurde zum typischen Heizkörper der Nachkriegszeit.

Ölheizung – der grosse Durchbruch (1950–1990)
Nach 1950 veränderte das Heizöl das Heizen nachhaltig. Dank billigen Erdölimporten verschwanden Holzöfen aus vielen Häusern. Fast jedes neue Wohnhaus erhielt nun: Ölkessel, Heizöltank, Radiatoren mit automatischer Temperaturregelung. Nun konnten sämtliche Zimmer jederzeit beheizt werden. Auch in Uri verdrängte Heizöl den traditionellen Kachelofen fast vollständig.
Viele Bauernhäuser behielten den Kachelofen allerdings als Zusatzheizung oder aus Tradition.

Elektroheizungen, Fussbodenheizung (1960–1985)
Mit dem Ausbau der Wasserkraft entstanden vielerorts elektrische Heizsysteme. Vor allem verbreitet waren: Direktheizungen und Nachtspeicheröfen. In Uri erschien Strom lange als besonders zukunftssicher. Später zeigte sich jedoch der hohe Energieverbrauch dieser Systeme, weshalb sie heute kaum noch neu eingebaut werden.

Fussbodenheizung (ab etwa 1970)
Eine weitere Neuerung war die Fussbodenheizung. Warmwasser fliesst durch Leitungen im Boden und erwärmt den gesamten Raum gleichmässig. Es sind keine sichtbaren Heizkörper notwendig. Es besteht eine angenehme Strahlungswärme und ist besonders geeignet für Wärmepumpen. Heute gehört sie bei Neubauten praktisch zum Standard.

Wärmepumpen und erneuerbare Energien (seit etwa 1995)
Die jüngste Etappe ist der Übergang zu erneuerbaren Heizsystemen. Dazu gehören:

- Luft-Wasser-Wärmepumpen
- Erdsonden
- Grundwasserwärmepumpen
- Holzschnitzelheizungen
- Pelletheizungen
- Fernwärme
- Kombinationen mit Solaranlagen

Die Schweiz zählt heute zu den führenden Ländern bei der Nutzung von Wärmepumpen; insbesondere Einfamilienhäuser werden zunehmend damit ausgestattet.
Im Kanton Uri profitieren viele Gemeinden zusätzlich von regionalem Energieholz, Holzschnitzelheizungen, Wasserkraft für den Betrieb von Wärmepumpen, zunehmend erneuerbaren Nahwärmenetzen
Auch der Kanton fördert den Ersatz fossiler Heizungen durch moderne, energieeffiziente Systeme.


Literatur: Rolf Gisler-Jauch (mit Unterstützung von ChatGPT).

 
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Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 18.08.2026