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Die Geschichte des Wohnens in Uri

Wasserversorgung, Trinkwasser



Der Gebirgskanton Uri verfügt über zahlreiche Quellen, Bäche und bedeutende Grundwasservorkommen. Die grossen Höhenunterschiede ermöglichten es zudem, die natürliche Lageenergie des Wassers zu nutzen. Die Entwicklung führte von der menschlichen Muskelkraft beim Wasserholen über Brunnen und durch Schwerkraft gespeiste Leitungen bis zu modernen, elektrisch betriebenen und elektronisch überwachten Wasserversorgungsanlagen.

In der ältesten Form der Wasserversorgung musste das Wasser dort geholt werden, wo es natürlich vorhanden war. Quellen, Bäche und Seen lieferten Trink- und Brauchwasser. Menschen trugen das Wasser in Eimern, Kannen oder anderen Gefässen zum Haus. Die dafür benötigte Energie war menschliche Muskelkraft. Wasserholen gehörte damit zu den täglichen und körperlich anstrengenden Arbeiten. Je weiter die Wasserstelle vom Haus entfernt lag, desto grösser war der Aufwand.



Eine wesentliche Erleichterung brachten Brunnen und Wasserleitungen. In Altdorf wurden die Quellen des Bannwaldes bereits lange vor dem 16. Jahrhundert gefasst. Das Wasser wurde zunächst durch Gräben und hölzerne Kännel und später durch aus Baumstämmen gebohrte Holzröhren, sogenannte Tüchel, in den Flecken geleitet. Damit nutzte man eine Energieform, die für die Urner Wasserversorgung bis heute von besonderer Bedeutung ist: die Schwerkraft. Weil die Quellen höher lagen als die Verbrauchsstellen, floss das Wasser aufgrund des natürlichen Gefälles ohne Motor oder Pumpe ins Tal.

Die öffentlichen Dorfbrunnen waren über Jahrhunderte zentrale Einrichtungen der Wasserversorgung. In Altdorf entstanden im späten 16. Jahrhundert mehrere repräsentative Steinbrunnen. Sie versorgten nicht nur die Bevölkerung mit Trink- und Brauchwasser, sondern auch Reisende und deren Pferde. Die grossen Brunnenbecken bildeten zugleich Wasserreserven für die Brandbekämpfung. Allerdings musste das Wasser weiterhin vom Brunnen zum Haus getragen werden. Die Schwerkraft brachte das Wasser also bis ins Dorf, die letzte Wegstrecke zum Verbraucher erforderte weiterhin Muskelkraft.



Im 19. Jahrhundert wurden die Leitungssysteme zunehmend verbessert. In Altdorf projektierte Ingenieur Karl Emanuel Müller 1858/59 für den oberen Dorfteil eine neue Leitung vom Bannwald zur Schützenmatt. Dabei kamen erstmals Leitungen aus gebranntem Ton und bei Strassenquerungen Eisenrohre zum Einsatz. Einen entscheidenden Schritt bildete schliesslich die Einführung der allgemeinen Wasserversorgung im Jahr 1888. Dadurch verloren die öffentlichen Brunnen einen wesentlichen Teil ihrer ursprünglichen Versorgungsfunktion.

Mit dem Ausbau der Leitungsnetze gelangte das Wasser schliesslich direkt in die Gebäude. Damit veränderte sich auch der Haushalt grundlegend. Der Wasserhahn ersetzte den Gang zum Brunnen. Fliessendes Wasser ermöglichte moderne Küchen, Badezimmer, WC-Spülungen und Duschen. Gleichzeitig entstanden zahlreiche Geräte, die eine zuverlässige Wasserversorgung voraussetzen: Boiler, Waschmaschinen und später Geschirrspüler. Der Energiewandel der Wasserversorgung war deshalb eine wichtige Voraussetzung für den allgemeinen Energiewandel im Haushalt.

Für Uri ist die Nutzung von Quellwasser besonders günstig. Weil viele Quellen oberhalb der Siedlungen liegen, kann ein erheblicher Teil des Wassers mit Hilfe des natürlichen Gefälles transportiert werden. Ein heutiges Beispiel liefert Altdorf: Rund 80 Prozent des Trinkwassers stammen aus Quellen im Bannwald und rund 20 Prozent aus Grundwasseranlagen. Das Quellwasser kann weitgehend durch die vorhandene Höhendifferenz zum Versorgungsgebiet gelangen.

Anders verhält es sich beim Grundwasser. Dieses liegt unter der Erdoberfläche und muss in der Regel mit Pumpen gefördert werden. Damit kommt elektrische Energie ins Spiel. Elektromotoren treiben die Pumpen an und heben das Wasser auf das notwendige Versorgungsniveau oder fördern es in Reservoirs. Die moderne Wasserversorgung verbindet deshalb zwei unterschiedliche Energieprinzipien: Wo immer möglich wird die kostenlose natürliche Schwerkraft genutzt; wo diese nicht ausreicht, übernimmt elektrische Energie die Förderung.

Eine wichtige Funktion besitzen die Wasserreservoirs. Sie speichern Trinkwasser und gleichen Schwankungen zwischen Wasserzufluss und Verbrauch aus. Gleichzeitig sorgt ihre erhöhte Lage für den notwendigen Druck im Leitungsnetz. Auch hier wird die Lageenergie des Wassers genutzt: Das im Reservoir gespeicherte Wasser besitzt aufgrund seiner Höhe potentielle Energie und fliesst mit entsprechendem Druck durch die Leitungen zu den Verbrauchern. Dadurch muss nicht an jedem einzelnen Gebäude eine Pumpe betrieben werden.



Die Wasserversorgung entwickelte sich zunehmend zu einem technisch komplexen System. Neben Pumpen werden heute Mess-, Steuerungs- und Überwachungsanlagen eingesetzt. Wasserstände in Reservoirs, Durchflussmengen, Druckverhältnisse und Wasserqualität können laufend kontrolliert werden. Elektronische Steuerungen schalten Pumpen automatisch ein und aus. Störungen können teilweise unmittelbar an die Verantwortlichen gemeldet werden. Elektrizität und Elektronik haben damit nicht nur die Förderung des Wassers verändert, sondern auch die Überwachung und Betriebssicherheit der gesamten Versorgung.

Wie wichtig eine sichere Versorgung geworden ist, zeigt die Wasserversorgungsstrategie des Kantons Uri. Der Kanton führt Inventare über Wasserversorgungsanlagen, Grundwasservorkommen und Quellen und verfolgt eine langfristige Strategie zur Sicherstellung der Trinkwasserversorgung. Dazu gehören auch der Schutz der Trinkwasserfassungen und die Versorgung in Notlagen. Eine besonders interessante Urner Besonderheit besteht darin, dass die Wasserversorgung nicht nur Energie verbrauchen, sondern selbst elektrische Energie erzeugen kann. Wasser, das aus hoch gelegenen Quellen ins Tal fliesst, besitzt aufgrund des Höhenunterschiedes beträchtliche Energie. Wird der vorhandene Wasserdruck nicht lediglich durch Ventile vermindert, sondern durch eine Turbine geleitet, kann ein Generator daraus Strom erzeugen. Man spricht von einem Trinkwasserkraftwerk.
In Uri wird dieses Prinzip bereits genutzt. Gemäss kantonalen Unterlagen wurden Trinkwasserkraftwerke in Altdorf, Flüelen und Erstfeld realisiert. Zusammen wurde ihre jährliche Stromproduktion mit rund 2,6 Millionen Kilowattstunden angegeben. Das zeigt eindrücklich, dass die topografischen Verhältnisse Uris nicht nur die Versorgung mit Quellwasser erleichtern, sondern gleichzeitig eine energetische Nutzung ermöglichen.
Ein anschauliches Beispiel ist das Kleinwasserkraftwerk Bannwald der Wasserversorgung Altdorf. Im Jahr 2021 erzeugte die Anlage rund 1,33 Millionen Kilowattstunden elektrische Energie. Dabei wird letztlich jene Energie genutzt, die das Wasser aufgrund seiner Höhenlage ohnehin besitzt. Die Wasserversorgung wird damit Teil der erneuerbaren Energieproduktion.


Literatur: Rolf Gisler-Jauch (mit Unterstützung von ChatGPT)

 
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Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 18.08.2026