Die Geschichte des Wohnens in Uri
Küche, Kochen
 Die Geschichte des Kochens ist eng mit der Entwicklung der Energieversorgung, der Wohnverhältnisse und der Hausarbeit verbunden. Über Jahrhunderte waren Kochen, Heizen und Warmwasserbereitung kaum voneinander getrennt: Dasselbe Feuer erwärmte die Speisen, die Küche und häufig auch das Wasser. Erst mit der Elektrifizierung und der Einführung moderner Küchengeräte wurden diese Funktionen voneinander unabhängig.
Vom offenen Feuer zur gemauerten Herdstelle
Bis weit ins Mittelalter wurde in den Häusern an einer offenen Feuerstelle gekocht. Sie lag zunächst häufig ebenerdig in der Mitte oder an einer Wand der Küche. Töpfe und Kessel hingen an einem verstellbaren Kesselhaken über dem Feuer oder standen auf Dreibeinen. Fleisch wurde am Spiess gebraten, Brot meist nicht im Wohnhaus, sondern in einem besonderen Backofen oder Gemeinschaftsbackhaus gebacken.
Der Rauch zog zunächst durch Öffnungen im Dach oder durch eine Rauchküche ab. Solche Küchen waren dunkel und russig. Die offene Feuerstelle verursachte zudem eine erhebliche Brandgefahr. Mit der Verbreitung gemauerter Rauchfänge und Kamine konnte der Rauch gezielter aus dem Haus geleitet werden.
In Uri waren offene Herdstellen und Rauchküchen lange üblich. Besonders in Bauernhäusern bildete die Küche das Arbeitszentrum des Hauses. Hier wurde nicht nur gekocht, sondern auch Wasser erwärmt, Käse hergestellt, Fleisch geräuchert und teilweise Viehfutter zubereitet.
Brennholz als wichtigster Energieträger
Der wichtigste Energieträger war Brennholz. Verwendet wurden Scheitholz, Äste, Reisig, Rinde und Holzabfälle. In waldreichen Gebieten wie Uri war die Versorgung stark mit den Nutzungsrechten der Gemeinden und Korporationen verbunden.
Holz musste gefällt, zerkleinert, transportiert, getrocknet und gelagert werden. Das Kochen erforderte daher lange Vorarbeiten. Zugleich musste das Feuer ständig überwacht werden. Die Temperatur liess sich nur durch die Holzmenge, die Art des Brennstoffs, die Entfernung des Topfes vom Feuer und die Glut regulieren.
Nicht jedes Holz war gleich geeignet. Trockenes Hartholz erzeugte eine lang anhaltende Glut, während dünnes Nadelholz schnell brannte und sich zum raschen Anfeuern eignete. Der sparsame Umgang mit Brennholz war besonders in langen Wintern wichtig.
Ernährung und Kochtechnik
Die verfügbare Feuertechnik beeinflusste, welche Speisen zubereitet wurden. Besonders geeignet waren Gerichte, die lange in einem einzigen Gefäss gekocht werden konnten:
- Suppen und Eintöpfe,
- Breie und Mus,
- Hülsenfrüchte,
- Kartoffelgerichte,
- Käse- und Milchspeisen,
- gedörrtes oder geräuchertes Fleisch.
In Uri waren Milch, Käse, Butter, Getreide, Kartoffeln und je nach Höhenlage Fleisch und einheimisches Wild wichtige Grundlagen der Ernährung. Auf den Alpen musste mit einfachen Mitteln gekocht werden. Dort verwendete man offene Feuerstellen, Kessel und später kleine Holzherde. Gleichzeitig diente das Feuer der Käseherstellung, insbesondere zum Erwärmen der Milch im grossen Kupferkessel.
Backen und gemeinschaftliche Einrichtungen
Das Backen benötigte wesentlich mehr Brennstoff als das gewöhnliche Kochen. Deshalb besassen nicht alle Haushalte einen eigenen Backofen. Man behalf sich mit gemeinschaftlich genutzten Öfen oder Backhäusern. Häufig wurde nur in grösseren Abständen gebacken. Das Brot musste entsprechend lange haltbar sein. Ob in Uri auch solche Backhäuser bestanden, ist noch wenig erforscht.
Der geschlossene Holzherd
Im Laufe des 18. und besonders des 19. Jahrhunderts verbreiteten sich geschlossene Kochherde. Sie bestanden aus Mauerwerk oder Gusseisen und besassen eine geschlossene Feuerkammer sowie eine Herdplatte. Die Töpfe wurden auf die Platte gestellt oder in Öffnungen mit herausnehmbaren Herdringen eingesetzt. Oft war seitlich eine Backröhre eingebaut. Gegenüber der offenen Feuerstelle boten sie mehrere Vorteile:
- geringerer Holzverbrauch,
- bessere Nutzung der Wärme,
- weniger Rauch und Russ,
- besser regulierbare Hitze,
- geringere Brandgefahr,
- gleichzeitiges Kochen, Backen und Warmhalten.
Der Holzherd erwärmte zugleich die Küche. Diese Verbindung war im Winter erwünscht, im Sommer jedoch unangenehm.
Der Gasherd spielte in Uri nur eine begrenzte Rolle. Möglich waren einzelne Anlagen mit Flaschengas, insbesondere in Gaststätten, Ferienhäusern oder abgelegenen Gebäuden. Auch heute wird Flüssiggas teilweise beim Camping, in Alphütten oder in mobilen Küchen verwendet.
Elektrifizierung und Elektroherd
Eine einschneidende Erneuerung brachte die Einführung des Elektroherdes. Erste Geräte entstanden bereits im 19. Jahrhundert. Eine breite Nutzung wurde jedoch erst möglich, als Wohnhäuser über leistungsfähige Stromanschlüsse verfügten. Für Uri war diese Entwicklung besonders bedeutsam, weil der Kanton über ein grosses Wasserkraftpotenzial verfügt. Heute wird die Elektrizitätsversorgung durch EWA-energieUri, die Gemeindewerke Erstfeld und das Elektrizitätswerk Ursern sichergestellt; der Kanton misst der einheimischen Wasserkraft weiterhin einen hohen Stellenwert bei. Die Elektrifizierung verlief allerdings nicht überall gleichzeitig. Altdorf, Erstfeld, Industriebetriebe, Hotels und grössere öffentliche Einrichtungen wurden früher angeschlossen als abgelegene Berggebiete. In einzelnen Haushalten bestanden über längere Zeit Kombinationsherde: Im Winter wurde mit Holz gekocht und zugleich die Küche geheizt, im Sommer verwendete man Strom.
Veränderungen der Hausarbeit
Der Elektroherd erleichterte die Küchenarbeit erheblich. Das mühsame Anfeuern entfiel, es entstand weniger Schmutz und die Temperatur konnte genauer geregelt werden. Gleichzeitig veränderten sich Tagesabläufe und Arbeitsaufteilung.
Die Modernisierung der Küche war vorerst nur eine technische Entwicklung. Kochen war lange vorwiegend Frauenarbeit. Frauen und Mädchen waren für das Feuer, die Beschaffung kleinerer Brennstoffe, das Wasserholen, die Speisenzubereitung und die Reinigung zuständig. Elektrische Geräte verringerten einzelne körperliche Belastungen, erhöhten teilweise aber auch die gesellschaftlichen Erwartungen an Sauberkeit, Speisevielfalt und Haushaltsführung.
Die moderne Küche
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Elektroherd und Backofen zum üblichen Standard. Später folgten Kühlschrank, Gefrierschrank, Dampfkochtopf, Küchenmaschine, Geschirrspüler und Mikrowellengerät. Die Küche entwickelte sich von einem rauchigen Arbeitsraum zur technisch ausgestatteten Einbauküche.
Seit den späten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts lösten Glaskeramikfelder die klassischen gusseisernen Kochplatten zunehmend ab. Heute gewinnen Induktionskochfelder an Bedeutung. Dabei wird nicht primär die Kochplatte, sondern der magnetisch geeignete Topfboden erhitzt. Das ermöglicht eine schnelle und gut regulierbare Wärmeübertragung.
Das moderne Kochen in Uri erfolgt überwiegend elektrisch. Die Energiequelle ist dabei nicht der Herd selbst: Elektrischer Strom ist der Energieträger, während die ursprüngliche Energie beispielsweise aus Wasserkraft, Kernenergie, Sonnenenergie oder anderen Quellen stammen kann. Aufgrund der bedeutenden Urner Wasserkraft besitzt das elektrische Kochen hier einen besonderen regionalen Bezug.
Neue Entwicklungen
Gegenwärtig stehen Energieeffizienz, erneuerbare Stromproduktion und die Entlastung des Stromnetzes im Vordergrund. Moderne Geräte verbrauchen zwar weniger Energie, gleichzeitig ist die Zahl elektrischer Küchengeräte gestiegen.
Künftig dürften folgende Entwicklungen wichtig werden:
- sparsame Induktionskochfelder,
- effizientere Backöfen,
- Dampfgarer und Kombigeräte,
- intelligente Steuerungen,
- Kochen mit eigenem Solarstrom,
- zeitliche Abstimmung auf die Stromproduktion,
- energiesparende Gemeinschafts- und Grossküchen,
- Wiederverwendung von Abwärme.
Die heutige Energiepolitik des Kantons Uri richtet sich generell auf Energieeffizienz und erneuerbare Energien aus.
Literatur:
Rolf Gisler-Jauch (mit Unterstützung von ChatGPT).
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