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Die Geschichte des Wohnens in Uri

Innenbeleuchtung





Bis in die Neuzeit war das Tageslicht die wichtigste Lichtquelle im Haus. Tätigkeiten, die gutes Licht verlangten, wurden möglichst nahe bei einem Fenster ausgeführt. Dazu gehörten Nähen, Spinnen, Weben, Lesen, Schreiben, Schnitzen und andere handwerkliche Arbeiten.
Die Bauernhäuser besassen nur kleine Fenster. Dafür gab es mehrere Gründe: Glas war teuer; kleine Öffnungen verminderten den Wärmeverlust; die Bauweise erlaubte nicht überall grosse Fenster; Fenster mussten gegen Wind, Niederschlag und Kälte geschützt werden. Anstelle von Fensterglas konnten Pergament, geöltes Papier, dünne Tierhäute, Hornplatten oder hölzerne Läden verwendet werden. In einfachen Häusern blieben manche Öffnungen unverschlossen oder wurden nur mit einem Laden abgedeckt.
In Uri war die Nutzung des Tageslichts wegen der engen Täler und der hohen Berge zusätzlich von der topografischen Lage abhängig. In einzelnen Seitentälern, an Schattenhängen und während der Wintermonate erreichte die Sonne manche Häuser nur für kurze Zeit oder überhaupt nicht. Die Ausrichtung der Gebäude und ihrer Fenster war deshalb von grosser Bedeutung.

Die älteste künstliche Lichtquelle im Haus war das offene Feuer. Herdfeuer, Ofenfeuer oder Kaminfeuer spendeten neben Wärme auch Licht. Dieses Licht war jedoch unregelmässig und reichte kaum aus, um einen ganzen Raum auszuleuchten.

Im Urner Haushalt kamen verschiedene Leuchtmittel zum Einsatz: Kienspäne, Öllampen, Kerzen, Lampen und Leuchter, Laternen, Petroleumlampen.

Kienspäne und Holzlicht
Eine einfache Form der Beleuchtung war der Kienspan. Dabei handelte es sich um ein dünnes Stück harzreichen Holzes, meist von Föhren oder anderen Nadelbäumen. Der Span wurde angezündet und in einer Halterung befestigt.
Kienspäne waren günstig und konnten aus örtlich vorhandenem Holz hergestellt werden. Sie brannten jedoch nur kurze Zeit, rauchten stark und mussten ständig überwacht werden. Herabfallende Glut und Funken stellten eine erhebliche Brandgefahr dar.
In Uri dürfte Holzlicht vor allem in ländlichen Haushalten, Werkstätten, Ställen und Alphütten verwendet worden sein.

Fackeln
Fackeln bestanden aus Holz, das mit Harz, Pech, Wachs oder Fett versehen war. Sie wurden vor allem im Freien, bei nächtlichen Wegen, Prozessionen, militärischen Unternehmungen und öffentlichen Anlässen verwendet.
Für die gewöhnliche Beleuchtung eines Wohnraums waren sie kaum geeignet, da sie stark rauchten, tropften und eine grosse Brandgefahr verursachten.

Öllampen
Öllampen gehören zu den ältesten eigentlichen Beleuchtungsgeräten. Ein Docht sog einen flüssigen Brennstoff auf, der an seiner Spitze verbrannte. Als Brennstoffe kamen unter anderem infrage: tierisches Fett, Fischöl, Leinöl, Rapsöl, Nussöl, andere pflanzliche Öle.
Die Qualität des Lichts hing stark vom verwendeten Öl und von der Gestaltung des Dochtes ab. Einfache Lampen erzeugten wenig Licht, rochen unangenehm und russ¬ten. Trotzdem waren sie besser kontrollierbar als Kienspäne oder offenes Holzfeuer.

Kerzen
Kerzen bestanden zunächst überwiegend aus Talg, also ausgelassenem tierischem Fett. Talgkerzen waren verhältnismässig günstig, brannten aber unruhig, rochen stark und tropften. Hochwertiger waren Kerzen aus Bienenwachs. Sie erzeugten ein ruhigeres und helleres Licht und verbreiteten weniger unangenehmen Geruch. Bienenwachskerzen waren jedoch kostbar. Sie wurden deshalb besonders in Kirchen, Klöstern, wohlhabenden Haushalten und bei festlichen Anlässen verwendet.
Kerzen waren nicht nur Gebrauchsgegenstände, sondern besassen auch religiöse und symbolische Bedeutung. Das Licht stand für Christus, das ewige Leben, Hoffnung und Erinnerung. In den Kirchen Uris wurden Kerzen am Altar, vor Heiligenbildern, bei Prozessionen, Totenfeiern und privaten Andachten eingesetzt.
Zur Beleuchtung eines ganzen Hauses waren selbst mehrere Kerzen nicht besonders wirksam. Sie wurden gezielt dort aufgestellt, wo Licht gerade benötigt wurde. Häufig besass jede Person nur eine einzelne Kerze oder bewegte sich mit einem tragbaren Kerzenleuchter durch das Haus.

Lampen und Leuchter als soziale Zeichen
Die Art der Beleuchtung zeigte auch den sozialen Stand eines Haushalts. Einfache Familien mussten sparsam mit Brennstoff und Kerzen umgehen. Wohlhabende Haushalte konnten mehrere Leuchter, Wandarme oder Kronleuchter verwenden.
Kerzenhalter und Lampen bestanden je nach Vermögen aus: Holz, Eisen, Messing, Zinn, Kupfer, Silber, Glas oder Porzellan.
Ein kunstvoller Leuchter war daher nicht nur ein Beleuchtungsgerät, sondern zugleich Einrichtungs- und Repräsentationsgegenstand.

Laternen
Eine Laterne schützte die Flamme vor Wind und Berührung. Frühe Laternen besassen Öffnungen aus Horn, Pergament oder dünn geschabter Tierhaut. Später wurden Glasscheiben eingesetzt.
Laternen dienten als tragbare Beleuchtung: auf Wegen, in Ställen und Scheunen, bei nächtlichen Arbeiten, bei Kontrollen, in Kellern und Vorratsräumen, auf Fuhrwerken und später an Fahrzeugen.
In landwirtschaftlichen Gebäuden blieb die Brandgefahr dennoch gross. Eine umgestossene Laterne konnte Heu, Stroh oder Holz entzünden. Feuerordnungen regelten deshalb vielerorts den Umgang mit offenem Licht.

Petroleumlampe
Im 19. Jahrhundert verbreitete sich die Petroleumlampe. Petroleum wurde aus Erdöl gewonnen und war heller und leichter zu handhaben als viele ältere Lampenöle. Ein regulierbarer Flach- oder Runddocht und ein gläserner Zylinder verbesserten die Verbrennung.
Der Glaszylinder sorgte für einen geregelten Luftzug. Dadurch brannte die Flamme heller und gleichmässiger. Ein Drehmechanismus erlaubte es, den Docht und damit die Helligkeit einzustellen.
Petroleumlampen wurden verwendet als: Tischlampen, Wandlampen, Hängelampen, Stalllaternen, Werkstattlampen, Strassenlaternen.
Für Uri dürfte die Gotthardbahn seit 1882 den Transport von Petroleum und industriell gefertigten Lampen erleichtert haben. Damit wurden solche Produkte auch in den Berggebieten regelmässiger verfügbar. Der tatsächliche Übergang von älteren Öllampen zu Petroleum dürfte jedoch je nach Gemeinde, Verkehrsverbindung und Vermögenslage unterschiedlich verlaufen sein.
Petroleum verbesserte zwar die Beleuchtung, blieb aber gefährlich. Auslaufender Brennstoff, umgestossene Lampen oder unsachgemässes Nachfüllen konnten Brände verursachen.

Gasbeleuchtung
In grösseren Schweizer Städten wurden im 19. Jahrhundert Gaswerke errichtet. Stadtgas diente zunächst hauptsächlich der öffentlichen und privaten Beleuchtung. Über Leitungen gelangte es zu Gaslampen, in denen es mit offener Flamme verbrannt wurde.
Für den Kanton Uri blieb die Gasbeleuchtung von geringerer Bedeutung. Ein ausgedehntes städtisches Gasnetz entstand hier nicht. Möglich waren einzelne Gaslampen in Hotels, Gewerbebetrieben oder öffentlichen Einrichtungen sowie später Lampen mit Flaschengas.

Karbid- und Acetylenlampen
Karbidlampen erzeugen aus Calciumcarbid und Wasser das brennbare Gas Acetylen. Dieses verbrennt mit einer hellen Flamme. Solche Lampen wurden vor allem dort eingesetzt, wo kein Stromanschluss bestand: in Bergwerken und Stollen, auf Baustellen, in Werkstätten, an Fahrzeugen, bei Höhlenbegehungen, in abgelegenen Gebäuden.
Für Uri waren Karbidlampen im Zusammenhang mit Tunnelbau, Eisenbahn, Steinbrüchen, Kraftwerkbau und alpinen Verkehrswegen von Bedeutung. Auch bei den Arbeiten an der Gotthardbahn und späteren Infrastrukturprojekten kamen tragbare Beleuchtungsmittel zum Einsatz.

Elektrische Beleuchtung
Die Erzeugung von elektrischem Strom aus Wasserkraft schuf die Voraussetzung, Häuser, Werkstätten, öffentliche Gebäude und Strassen elektrisch zu beleuchten. Dabei war die Beleuchtung zunächst eine der wichtigsten Anwendungen der Elektrizität. Elektromotoren, Kochherde, Boiler und andere Haushaltsgeräte kamen in grösserem Umfang erst später hinzu. Die Elektrifizierung erfolgte nicht überall gleichzeitig. Der Hauptort Altdorf, Gewerbebetriebe und dichter besiedelte Talgebiete konnten früher erschlossen werden als abgelegene Weiler, Alpen und Bergtäler. Leitungsbau, Transformatoren, Hausinstallationen und elektrische Lampen verursachten erhebliche Kosten.
2026 betreibt energieUri in weiten Teilen des Kantons ein Verteilnetz von rund 1’450 Kilometern Länge mit ungefähr 450 Transformatorenstationen und 370 Verteilkabinen. Diese Zahlen zeigen, welchen Ausbau das ursprünglich auf Altdorf und Bürglen ausgerichtete Elektrizitätswerk erfahren hat.

Die Glühlampe
Die Glühlampe wurde zum Symbol der Elektrifizierung. Elektrischer Strom erhitzt einen dünnen Metalldraht, bis dieser Licht abstrahlt. Gegenüber Kerzen und Petroleumlampen bot sie entscheidende Vorteile: keine offene Flamme, kein Nachfüllen von Brennstoff, weniger Rauch und Russ, Einschalten durch einen Schalter, gleichmässigeres Licht, geringere unmittelbare Brandgefahr.
Die ersten Glühlampen waren allerdings teuer und nicht besonders langlebig. Auch die Hausinstallation war zunächst kostspielig. In frühen elektrifizierten Häusern gab es häufig nur eine einzige Lampe pro Raum. Steckdosen waren noch selten; die Leitung diente vor allem der Beleuchtung.
Anfangs konnte elektrisches Licht als ungewohnt hell oder kalt empfunden werden. Es veränderte den Tagesablauf grundlegend: Arbeit, Unterricht, Vereinsleben, Lesen und gesellschaftliche Zusammenkünfte waren nun stärker von der natürlichen Tageslänge unabhängig.

Elektrisches Licht verändert den Alltag
Die elektrische Beleuchtung verlängerte den nutzbaren Tag. Sie ermöglichte:

- längeres Arbeiten in Werkstätten und Fabriken,
- Vereinsversammlungen,
- bessere Beleuchtung in Gaststätten und Hotels,
- längere Öffnungszeiten von Geschäften,
- bequemeres Lesen und Schreiben,
- sicherere Arbeit in Stall und Scheune.

Diese Entwicklung hatte auch eine ambivalente Seite. Besseres Licht erhöhte zwar Komfort und Sicherheit, konnte aber ebenso zu längeren Arbeitszeiten führen. In Fabriken und gewerblichen Betrieben war die Produktion nicht mehr so stark an das Tageslicht gebunden.


Literatur: Rolf Gisler-Jauch (Unterstützung und Zeichnung durch ChatGPT).

 
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Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 18.08.2026