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Die Geschichte des Wohnens in Uri

Waschen



Während heute eine Waschmaschine ihre Arbeit nahezu selbstständig verrichtet, bedeutete das Wäschewaschen während Jahrhunderten einen der anstrengendsten und zeitaufwendigsten Bereiche der Hausarbeit. Gerade im ländlichen Uri war der Waschtag bis weit ins 20. Jahrhundert ein fester Bestandteil des dörflichen und bäuerlichen Lebens.

Waschen mit Wasser und Holzasche
Die Erkenntnis, dass Wasser Schmutz entfernt, ist sehr alt. Zunächst wurden Kleidungsstücke lediglich im Bach oder See ausgespült und auf Steinen ausgeschlagen. Mit der Zeit erkannte man, dass Holzasche die Reinigung erleichtert. Aus der Asche entstand eine alkalische Lauge, welche Fette und Schmutz löste – gewissermassen die erste natürliche Seife.
Gewaschen wurde ausschliesslich mit Muskelkraft. Die Kleidungsstücke wurden eingeweicht, geklopft, gerieben und anschliessend im fliessenden Wasser ausgespült.
In Uri boten die zahlreichen Bäche, Quellen und die Reuss ideale Voraussetzungen. Viele Höfe verfügten über einen Brunnen oder lagen in unmittelbarer Nähe eines Gewässers, sodass genügend Wasser vorhanden war.

Mittelalter – Waschen als schwere Frauenarbeit
Im Mittelalter gehörte das Waschen fast ausschliesslich zu den Aufgaben der Frauen. Da Leinen und Wolle kostbar waren, wurde Kleidung sorgfältig gepflegt und häufig ausgebessert, aber deutlich seltener gewaschen als heute. Gewaschen wurden vor allem: Leibwäsche, Hemden, Bettwäsche, Windeln und Küchentücher. Oberkleider wurden meist nur ausgeklopft, ausgebürstet oder ausgelüftet. Gewaschen wurde in grossen Holzzubern. Anschliessend brachte man die Wäsche zum Bach, wo sie ausgespült und auf Steinen ausgeschlagen wurde.



Der Waschtag – ein Grossereignis
Bis weit ins 20. Jahrhundert wurde nicht täglich gewaschen, sondern in grösseren Abständen. Man unterschied: die kleine Wäsche (Hemden, Unterwäsche) und die grosse Wäsche (Bettwäsche, Tischtücher, Arbeitskleidung).

Der Waschtag dauerte häufig zwei bis drei Tage. - Wäsche sortieren
- über Nacht einweichen
- Wasser im Waschkessel erhitzen
- Seife oder Aschenlauge zugeben
-Wäsche kochen
- mit Waschbrett oder Bürste reinigen
- im Bach oder Brunnen spülen
- auswringen
- auf Wiesen oder Leinen trocknen
- mangeln und bügeln.

Besonders weisse Leinenwäsche wurde anschliessend auf sogenannten Bleichen ausgelegt. Sonnenlicht und Feuchtigkeit hellten den Stoff zusätzlich auf.

Das Waschen im Kanton Uri
Im Kanton Uri blieb das Waschen bis weit ins 20. Jahrhundert eng mit den natürlichen Gewässern verbunden.
Fast jedes Dorf besass: Dorfbrunnen, Waschbrunnen, Brunnenhäuser oder Bäche mit geeigneten Waschplätzen. Auf vielen Bauernhöfen stand ein grosser Kupferkessel, der direkt über einem Holzfeuer eingemauert war. Darin wurde das Wasser erhitzt und die Wäsche gekocht. Anschliessend wurde sie zum Spülen häufig an den Brunnen oder Bach getragen. Da Uri über aussergewöhnlich viel Wasser verfügt, war Wassermangel kaum ein Problem. Schwieriger war hingegen das Waschen während des Winters. Dann mussten Wasserleitungen, Brunnen und Bäche teilweise vom Eis befreit werden oder die Arbeiten fanden in der warmen Küche statt.

Seife erleichtert das Waschen Im Laufe des 18. und besonders des 19. Jahrhunderts verbreitete sich die eigentliche Kernseife immer stärker. Nun konnte Schmutz wesentlich leichter entfernt werden. Daneben verwendete man: Schmierseife, Soda, Bleichmittel, Stärke für Hemden und Kragen.
In Uri wurde vielerorts noch lange selbst Seife hergestellt oder gekauft, sobald wandernde Händler ins Dorf kamen.

Waschküchen und Waschkessel
Ab dem späten 19. Jahrhundert entstanden in vielen Häusern eigentliche Waschküchen.
Typisch waren: gemauerter Waschkessel aus Kupfer, Holzfeuerung, grosse Waschzuber, Waschbrett, Wringmaschine, Trockenraum.
Die Arbeit blieb jedoch ausserordentlich schwer. Eine grosse Familie konnte mehrere hundert Liter Wasser pro Waschtag benötigen.



Die ersten Waschmaschinen
Um 1900 erschienen die ersten mechanischen Waschmaschinen. Sie bestanden meist aus: Holzbottich, Handkurbel und beweglichen Waschflügeln. Später kamen motorisierte Maschinen hinzu.
Den eigentlichen Durchbruch brachten nach dem Zweiten Weltkrieg elektrische Waschmaschinen. Sie übernahmen das Waschen, Spülen und Schleudern. Damit verschwand das mühsame Auswringen weitgehend.

Die Elektrifizierung verändert den Alltag
Wie beim Heizen führte die Elektrifizierung auch beim Waschen zu einem tiefgreifenden Wandel. Im Kanton Uri begann sich dies besonders nach dem Ausbau der Wasserkraftwerke bemerkbar zu machen. Elektrische Energie ermöglichte: elektrische Waschmaschinen, Wäscheschleudern, Trockenräume, später Wäschetrockner sowie Bügeleisen mit elektrischer Heizung.

Die schwere körperliche Arbeit nahm dadurch innerhalb weniger Jahrzehnte drastisch ab. Gleichzeitig verbesserten sich Hygiene und Wohnkomfort erheblich.

Gemeinschaftswaschküchen
Mit dem Bau von Mehrfamilienhäusern entstanden gemeinschaftliche Waschküchen.
Sie verfügten über: Waschmaschine, Schleuder, Trockenraum und Mangel .
Jede Familie erhielt ihren festen Waschtag. Dieses System prägte den Wohnungsbau während Jahrzehnten und war vielerorts bis in die jüngste Vergangenheit üblich.
Heute erfolgt die Wäschepflege weitgehend automatisch. Moderne Waschmaschinen erkennen die Beladung, sparen Wasser, benötigen deutlich weniger Energie und verfügen über zahlreiche Spezialprogramme.
Zusätzlich gewinnen ökologische Aspekte zunehmend an Bedeutung: tiefere Waschtemperaturen, biologisch besser abbaubare Waschmittel, sparsamer Wasserverbrauch, Reparatur und längere Nutzung von Kleidern.
Im Kanton Uri wird diese Entwicklung unter anderem durch moderne gewerbliche Wäschereien ergänzt, wie das seit 2023 betriebene Waschwerk – Wäscherei Uri in Schattdorf.


Literatur: Rolf Gisler-Jauch (mit Unterstützung von ChatGPT)

 
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Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 18.08.2026